Das Wichtigste in Kürze:
- Anthropic will zunächst fünf Prozent seiner Aktien einem gemeinnützigen Fonds übertragen.
- Musk verspricht jedem US-Kind eine SpaceX-Aktie im Wert von rund 146 US-Dollar.
- Beide Ankündigungen werfen Fragen nach KI-Verantwortung, Umsetzung und strategischen Interessen auf.
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Zwei Monate vor Weihnachten plant der reichste Mann der Welt schon die Bescherung. Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk kündigte gestern an, SpaceX-Aktien im zweistelligen Milliardenwert zu verschenken. Jedes Kind in den Vereinigten Staaten soll nächstes Jahr eine bekommen. Damit folgt Musk einer überraschenden Bekanntgabe von Anthropic: Der KI-Gigant und Claude-Entwickler aus San Francisco will bald an die Börse gehen und verpflichtet sich, Milliarden Dollar an eigenen Aktien zu spenden, um Schäden durch KI-Entwicklung wieder gut zu machen. Hinter diesen exorbitanten Schenkungen steckt eine verblüffende Strategie. Aus reiner Nächstenliebe geschehen sie nicht.
Für KI-Geschädigte: Anthropic plant Milliarden-Geschenk
Anthropic kündigte am Sonntag an, zunächst fünf Prozent seiner Unternehmensanteile in einen neuen Public Benefit Fund einzubringen. Auf Basis der letzten genannten Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar entspricht das rechnerisch rund 48 Milliarden US-Dollar. Die Übertragung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre. Der Fonds soll gemeinnützige Organisationen unterstützen oder Geld direkt an bestimmte Bevölkerungsgruppen verteilen können. Ein mögliches Ziel: die sozialen Folgen abfedern, die der rasante Fortschritt künstlicher Intelligenz für Beschäftigte haben könnte.
Am Sonntag gab Anthropic bekannt, bis zu 20 Prozent der eigenen Aktien zu spenden.
Elon Musk reagierte prompt: "Ich empfehle, die Aktien direkt an die Öffentlichkeit zu geben"
Der Fonds könnte mit dem Unternehmenswert weiter wachsen. Für jeden Wertanstieg um 50 Prozent oberhalb einer noch nicht veröffentlichten Basislinie kann der Vorstand weitere zwei Prozentpunkte der Aktien beisteuern. Anthropic will damit ausdrücklich Spielraum für größere Maßnahmen schaffen. Das Unternehmen erklärte, KI könne enorme wirtschaftliche Werte erzeugen, zugleich aber für viele Beschäftigte Instabilität verursachen. Bereits 200 Millionen US-Dollar habe man für die Bewältigung solcher Herausforderungen zugesagt. Die neuen Pläne sollen darüber hinausgehen. Politische Spenden und Lobbyarbeit sollen aus dem Fonds ausdrücklich nicht finanziert werden.
Die Ankündigung fällt in eine entscheidende Phase für Anthropic. Das Unternehmen bereitet einen möglichen Börsengang vor; Berichten zufolge wird dabei eine Bewertung von bis zu 1.5 Billionen US-Dollar diskutiert. Zugleich wächst das Geschäft rasant: Laut Angaben an potenzielle Investoren stieg der Umsatz im dritten Quartal um 45 Prozent auf 16.8 Milliarden US-Dollar. Der Fonds verbindet damit zwei Botschaften: Anthropic will ein wirtschaftlich äußerst wertvolles KI-Unternehmen werden – und zugleich zeigen, dass es Verantwortung für mögliche Nebenwirkungen seiner Technologie übernimmt. Ob die geplanten Ausschüttungen tatsächlich gesellschaftliche Schäden ausgleichen können, ist damit noch nicht beantwortet.
Musk kontert: Eine SpaceX-Aktie für jedes Kind
Elon Musk reagierte auf Anthropics Ankündigung mit einer klaren Gegenposition. „Ich empfehle, die Aktien direkt an die Öffentlichkeit zu geben“, schrieb er auf X. Kurz darauf folgte sein eigenes Versprechen: „Nächstes Jahr werde ich jedem Kind in Amerika eine meiner SpaceX-Aktien schenken. Dies wird die erste von vielen sein.“ Nach US-Census-Daten leben rund 72 bis 73 Millionen Menschen unter 18 Jahren in den Vereinigten Staaten. Beim zuletzt genannten SpaceX-Kurs von knapp unter 150 Dollar US-Dollar hätte die Aktion einen rechnerischen Gesamtwert von etwa 10.5 Milliarden US-Dollar.
Elon Musks Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Nächstes Jahr werde ich jedem Kind in Amerika eine
meiner SpaceX-Aktien schenken. Das wird die erste von vielen."
Wie Musk die Schenkung umsetzen will, ist bislang offen. Möglich wäre ein Weg über die sogenannten Trump Accounts, neue US-Anlagekonten für Kinder. Bereits vor einigen Tagen hatte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell angekündigt, SpaceX-Aktien an rund zwei Millionen Kinder zu verschenken. Für die staatlichen Trump Accounts haben neben dem US-Finanzministerium bereits über 100 Unternehmen, Stiftungen und Einzelpersonen erhebliche Beiträge zugesagt, darunter das Milliardärs-Ehepaar Michael und Susan Dell mit einer Rekordspende von über sechs Milliarden Dollar, Großinvestoren wie Ray Dalio sowie namhafte Konzerne wie Nvidia, JPMorgan und BlackRock.
Wohltätigkeit oder strategischer Schachzug?
Der direkte Vergleich mit Anthropic dürfte für Musk zunächst einen erheblichen PR-Effekt haben: Während der Konkurrent einen Fonds mit eigenen Entscheidungsstrukturen aufsetzt, verspricht Musk eine unmittelbare Beteiligung der Bevölkerung. Doch nicht nur die Öffentlichkeitswirkung, sondern auch strategische Vorteile dürften eine Rolle spielen. Millionen Kinder und Familien würden früh mit SpaceX als Unternehmen in Verbindung gebracht. Ob Musk tatsächlich auf langfristige Markenbindung oder andere geschäftliche Effekte abzielt, ist allerdings nicht belegt.
Auch politische Motive liegen nicht fern. So erhielt etwa Dell Technologies im Mai, 2026, also etwa ein halbes Jahr nach der Großspende von Michael Dell im Dezember 2025 einen Pentagon-Auftrag über 9.7 Milliarden US-Dollar. Im Juli forderte Trump im Weißen Haus öffentlich zum Kauf von Dell-Computern auf. Ein direkter Zusammenhang ist nicht belegt, die zeitliche Nähe machte Kritiker aber misstrauisch. Nach Musks Ankündigung schrieb Trump auf Social Media: „Ein GROSSES DANKESCHÖN an unseren legendären Freund Elon Musk für seine unglaubliche Großzügigkeit“.
Pure Nächstenliebe oder strategischer Schachzug? Elon Musks Spende wurde direkt von Donald Trump honoriert: "Ein GROSSES DANKESCHÖN an unseren legendären Freund". Nach Michael Dells Spende warb Trump für dessen Computer.
Auch SpaceX ist stark von staatlichen Aufträgen durch NASA und Pentagon abhängig. Belege für illegale Absprachen gibt es nicht. Dennoch werfen solche Initiativen Fragen nach Transparenz, demokratischer Kontrolle und dem politischen Einfluss milliardenschwerer Geldgeber auf. Zweifel sind auch anderweitig angebracht. Musk hatte 2021 eine Spende von sechs Milliarden US-Dollar an das Welternährungsprogramm in Aussicht gestellt, falls die Organisation einen Plan zur Bekämpfung des Hungers vorlege. Obwohl ein Plan veröffentlicht wurde, ist die angekündigte Spende nach den vorliegenden Berichten nicht erfolgt.
An den Märkten bleibt die Lage angespannt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen näherte sich am Montag wieder 5.12 Prozent, der Dollar-Index DXY hielt sich bei knapp 101.8 Punkten. Auch Öl legte zu: WTI notierte am Dienstagmorgen knapp unter 99 US-Dollar, Brent bei rund 112 US-Dollar je Barrel. Der S&P 500 stand bei 7690 Punkten, der Nasdaq-100 bei 29 529. Der DAX gab 1.2 Prozent auf 25 319 Punkte nach, Gold hielt sich bei gut 4150 US-Dollar je Unze. Bitcoin notierte bei 81 600 US-Dollar, Ethereum fiel unter 2400 US-Dollar.
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FAQ: Elon Musk und Anthropic verschenken Aktien
Was ist der Anthropic Public Benefit Fund?
Anthropic plant, zunächst fünf Prozent seiner Aktien in einen neuen Fonds für gemeinnützige Zwecke einzubringen. Dieser soll Organisationen unterstützen oder direkte Ausschüttungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen ermöglichen. Die Übertragung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre.
Wie viel wäre Musks SpaceX-Aktiengeschenk wert?
Bei rund 72 bis 73 Millionen Kindern unter 18 Jahren in den USA und einem Aktienkurs von 146.03 US-Dollar ergäbe sich ein rechnerischer Gesamtwert von etwa 10.5 Milliarden US-Dollar. Der tatsächliche Wert kann sich bis zur Übertragung verändern.
Wie sollen die SpaceX-Aktien an die Kinder verteilt werden?
Musk hat bislang keine konkreten Details zur Umsetzung veröffentlicht. Die Trump Accounts wurden als mögliche Infrastruktur ins Gespräch gebracht, eine Nutzung dieser Konten ist aber nicht bestätigt.
Warum verschenken Anthropic und Musk Unternehmensanteile?
Anthropic begründet den Fonds mit möglichen gesellschaftlichen Folgen von KI, etwa Veränderungen am Arbeitsmarkt. Musk stellte seine direkte Aktienverteilung als Alternative zu einem gemeinnützigen Fonds dar. Beide Ankündigungen können zugleich öffentliche Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Akzeptanz für die Unternehmen fördern; konkrete strategische Motive sind jedoch nicht abschließend belegt.
Hat Musk bereits alle angekündigten Spenden umgesetzt?
Nein. Frühere Spendenversprechen Musks wurden nicht immer erfüllt. Beispielsweise stellte er 2021 eine Spende von sechs Milliarden US-Dollar an das Welternährungsprogramm in Aussicht, die nach den vorliegenden Berichten nicht erfolgte. Das beweist nicht, dass die neue Ankündigung unerfüllt bleibt, macht eine Prüfung der tatsächlichen Umsetzung aber besonders wichtig.







