Das Wichtigste in Kürze
Der Schwarze Montag 1987 war auf den Tag genau vor 39 Jahren.
Die Parallelen zu heute sind verblüffend: Drei wichtige Faktoren ganz besonders
Unternehmenszahlen und Geldpolitik werden für die nächste Marktphase wichtig.
Guten Morgen!
Ein historischer Crash überhitzter Aktienmärkte in Asien. Eine Ölpreis-Krise nach US-Bombardements im Iran. Hartnäckige Inflation in den Vereinigten Staaten bei horrend hohen Anleiherenditen. Angst vor Stagflation und ein hawkischer Fed-Chef, der die Märkte verunsichert, indem er sie gezielt im Unklaren über die künftige Geldpolitik lässt. Klingt alles seltsam vertraut. Gefährlich vertraut. Denn genau das war die Szenerie vor dem Schwarzen Montag. Am 19. Oktober 1987 – vor genau 39 Jahren.
An diesem Tag verlor der Dow Jones in den USA mehr als 20 Prozent seines Gesamtwerts. Auf den Tag genau 39 Jahre später ist die Angst vor einem Schwarzen Montag zurück. Erneut setzen Eskalationen im Mittleren Osten den Ölmarkt unter Druck, erneut explodieren die Anleiherenditen. Und an der Spitze der US-Notenbank steht mit Kevin Warsh ein Mann, der ausgerechnet den Fed-Chef von 1987, Alan Greenspan, mehrfach als seinen Vater im Geiste bezeichnete. Wiederholt sich die Geschichte? Wir blicken auf drei wichtige Vergleichspunkte.
1. Angst aus Asien: Kracht der KI-Trade?
An diesem Wochenende dominierte ein Schlagwort die Medien: Schwarzer Montag. Vergangene Woche waren KI-Aktien zunächst in Südkorea, dann auch in den USA unter Druck geraten. Ausgerechnet in dieser Woche, wo sich der echte Schwarze Montag zum 39. Mal jährt. Es war der größte Börsencrash seit dem Zweiten Weltkrieg und begann am 19. Oktober 1987 in Asien, bevor die Panik Europa und schließlich die Wall Street erfasste. Besonders Hongkong war zuvor zu einem Zentrum des Börsenbooms geworden.

In Südkorea fielen KI-Aktien zuletzt drastisch. 1987 begann der Crash in Asien, nach langer Überhitzung der Märkte. Das ist natürlich keine Garantie auf eine Wiederholung.
Der Hang Seng hatte sich in den zwölf Monaten zuvor fast verdoppelt. Die Wirtschaft wuchs kräftig, Immobilienpreise stiegen, und der Handel mit Aktien sowie Index-Futures nahm rasant zu. Im Mittelpunkt standen damals Immobilien- und Finanzwerte. Zugleich wuchs der spekulative Handel: Das tägliche Volumen von Hang-Seng-Futures stieg zwischen Mai 1986 und September 1987 um mehr als 1800 Prozent. Als die Kurse im Oktober kippten, trafen Verluste auf gehebelte Positionen – ähnlich wie heute in Südkorea. Hongkong schloss seine Börse nach dem Einbruch am 19. Oktober für vier Handelstage. Bei der Wiedereröffnung am 26. Oktober fiel der Hang Seng weitere 33 Prozent.
Heute drehen sich die Sorgen in Asien vor allem um die KI-Industrie. Südkoreas KOSPI fiel vergangene Woche auf den niedrigsten Stand seit sechs Monaten. Die Halbleitergiganten Samsung und SK Hynix fielen deutlich, beide Unternehmen sind zentrale Zulieferer des KI-Booms. Nach einem starken Anstieg der Technologieaktien befürchten Anleger inzwischen, dass die enormen Investitionen in Chips und Rechenzentren nicht schnell genug entsprechende Erträge bringen. Hartnäckige US-Inflation und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen verstärkten den Verkaufsdruck.
2. Ölkrise, Inflation und Anleihen-Panik: Der Markt zittert
1987 eskalierte der Iran-Irak-Krieg, der seit 1980 andauerte, zunehmend auf See. Beide Länder griffen Tanker und Energieanlagen an, um den Gegner wirtschaftlich zu schwächen. Um die Ölversorgung zu sichern, eskortierte die US-Marine kuwaitische Tanker, die unter amerikanischer Flagge fuhren, durch den Persischen Golf. Im September wurde ein iranisches Schiff beim Minenlegen entdeckt. Im Oktober trafen iranische Raketen zwei Tanker vor Kuwait, einer davon fuhr unter US-Flagge. Die Vereinigten Staaten gingen in den Angriff über.

Ölkrise 1987 = Ölkrise 2026? Die geografischen Details sind überraschend ähnlich. Die Konsequenzen bisher nicht. Der Crash 1987 wurde nicht nur durch einen Ölpreis-Schock ausgelöst.
US-Kriegsschiffe beschossen zwei iranische Ölplattformen, die nach amerikanischer Darstellung für militärische Operationen und Angriffe auf die Schifffahrt genutzt wurden. Teheran drohte daraufhin mit Vergeltung und bezeichnete den Angriff als offenen Krieg. Die Auseinandersetzung war Teil eines umfassenderen Konflikts um die Kontrolle der Schifffahrtswege und die Sicherheit der Ölexporte im Golf. Die Tankerangriffe erhöhten die Versicherungsprämien und schürten Befürchtungen über mögliche Versorgungsunterbrechungen. Verblüffende Parallelen zu heute – nur, dass es diesmal um die Straße von Hormus geht.
Diese Meerenge, durch die vor dem Krieg etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs transportiert wurde, ist seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar stark beeinträchtigt. Die Ölpreise tänzeln schon länger um die 100-Dollar-Marke und befeuern die Inflation in Europa und den USA. Benzin- und Dieselpreise explodieren; die strategische Rohöl-Reserve der USA ist auf den tiefsten Stand seit 1982 gefallen. Ende letzter Woche lockerte US-Präsident Donald Trump sogar die Sanktionen gegen Russland und erntete harsche Kritik aus der EU.
3. Dreht die Fed am Rad (der Geschichte)?
Im Zentrum der jüngsten Aktien-Sorgen steht die US-Notenbank Fed. Ende September wurde der US-Leitzins zum ersten Mal seit drei Jahren angehoben, Fed-Chef Kevin Warsh beharrt auf zurückhaltender Geldpolitik, bis die Inflation wieder das 2-Prozent-Ziel erreicht. Kevin Warshs großes Vorbild ist dabei ausgerechnet Alan Greenspan, der die Fed durch den Schwarzen Montag 1987 führte. Schon bei seiner Vereidigung als Fed-Chef im Mai erinnerte Warsh ausdrücklich an Greenspans Amtsantritt 1987.

Kevin Warshs Vorbild ist ausgerechnet Alan Greenspan, der kurz vor dem Schwarzen Montag zum Fed-Vorsitzenden gewählt wurde. Warsh hält sich in vielen Punkten an Greenspans Playbook.
Greenspan war bekannt für seine vorsichtige, oft schwer zu deutende Kommunikation. Auch Warsh sorgt seit seinem Amtsantritt für Verunsicherung, weil er sich weigert, ähnlich viel Forward Guidance zu geben wie sein Vorgänger Jerome Powell. Doch Greenspan war kein reiner Falke. Er galt bis zum Ende seiner langen Karriere als Fed-Chef im Jahr 2006 als Pragmatiker, der auf neue wirtschaftliche Entwicklungen reagierte. Nach dem Crash von 1987 erklärte er am folgenden Tag, die Fed sei bereit, Liquidität bereitzustellen, um das Finanzsystem funktionsfähig zu halten.
Greenspans Krisenreaktion prägte die spätere Debatte über den sogenannten Greenspan Put. Der Begriff beschreibt die Erwartung, dass die Fed bei schweren Marktturbulenzen eingreift, um die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Kritiker warnten, eine solche Erwartung könne Anleger zu größeren Risiken verleiten, weil sie auf Unterstützung im Krisenfall hofften. Warsh will sich vorerst nicht auf solche Gedankenspiele einlassen und will von großen Liquiditäts-Offensiven in der Fed-Bilanz möglichst absehen. Zumindest solange der Arbeitsmarkt stabil bleibt.
Kommt der Schwarze Montag zurück?
Auf den Tag genau 39 Jahre nach dem Schwarzen Montag am 19. Oktober 1987 ist von Panik nicht viel zu spüren. Zwar steht der Fear-and-Greed-Index für den US-Aktienmarkt auf 20 Punkten und damit auf extremer Angst. Doch die Börsenkurse spiegeln diese Stimmung kaum wider. Nach einem durchwachsenen Wochenschluss für den S&P 500 (7659 Punkte) und den Nasdaq-100 (29 187 Punkte) ging es vorbörslich für beide am Montagmorgen wieder ein Stück aufwärts. Der S&P kletterte auf 7746, der Nasdaq-100 machte 500 gut und federte zurück auf 29 700 Punkte.

Mehrere verblüffende Parallelen verbinden 1987 und 2026. Aber zwei wichtige Aspekte sind unterschiedlich: Leitzins und Anleihen sind keine so große Konkurrenz für Aktien wie damals. Und der KI-Hype basiert nicht nur auf Hype.
Etwas turbulenter ist die Lage im Kryptomarkt. Bitcoin fiel am Wochenende erneut unter 81 000 Dollar. Ethereum zeigte zuletzt wieder relative Schwäche gegenüber BTC – die steigende Bitcoin-Dominanz setzte vor allem kleinere Altcoins deutlich unter Druck. Der US-Dollar-Index (DXY) kühlte leicht auf knapp unter 102 Punkten ab, auch die zehnjährigen US-Anleihen gehen dezent zurück (5.077 Prozent). WTI-Rohöl ist zurück unter 100 Dollar (96.99 Dollar) und nimmt damit auch etwas Druck vom Kessel der verunsicherten Finanzwelt.
Eine exakte Wiederholung des Schwarzen Montags wird es wohl kaum geben. Die Parallelen sind frappierend, aber zwei wichtige Faktoren stützen die US-Wirtschaft: Der Arbeitsmarkt bleibt robust (was allerdings auch vor dem Crash 1987 der Fall war) und der KI-Sektor erwirtschaftet trotz der immensen Bewertungen weiterhin hohe Umsätze. Wichtig werden die kommenden Tage: Mit Meta und Tesla (21. Oktober), Alphabet und Microsoft (28. Oktober) sowie Amazon (29. Oktober) legen wichtige KI-Player ihre Zahlen vor. Mitte November folgt Nvidia. Und eine kleine Beruhigung: Nach dem Crash 1987 kam keine lange Rezession. Und dennoch dauerte es mehr als ein Jahr, bis der US-Markt neue Hochs erreichte.
FAQ: Schwarzer Montag
Was war der Schwarze Montag von 1987?
Am 19. Oktober 1987 brach der US-Aktienmarkt dramatisch ein. Der Dow Jones verlor innerhalb eines Handelstags rund 22.6 Prozent seines Wertes. Der Crash begann in Asien und erfasste anschließend Europa und die Wall Street.
Warum vergleichen Anleger die aktuelle Marktlage mit dem Schwarzen Montag?
Sowohl 1987 als auch heute treffen hohe Aktienbewertungen auf wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Spannungen. Aktuell belasten insbesondere Sorgen über die Rentabilität von KI-Investitionen, der Iran-Krieg, hohe Energiepreise und die Geldpolitik der US-Notenbank die Märkte.
Welche Rolle spielt der KI-Sektor bei den aktuellen Börsensorgen?
Anleger hinterfragen zunehmend, ob die enormen Investitionen in KI-Chips und Rechenzentren schnell genug entsprechende Erträge bringen. Besonders betroffen sind Halbleiterunternehmen wie Samsung und SK Hynix, deren Aktien zuletzt deutlich unter Druck gerieten.
Was unterscheidet Kevin Warsh von Alan Greenspan?
Beide stehen für eine zurückhaltende Kommunikation über die künftige Geldpolitik. Greenspan reagierte nach dem Crash von 1987 jedoch mit der ausdrücklichen Zusicherung, bei Bedarf Liquidität bereitzustellen. Warsh möchte sich weniger auf geldpolitische Signale festlegen und umfangreiche Liquiditätsmaßnahmen möglichst vermeiden, solange die wirtschaftliche Lage dies nicht erfordert.
Droht 2026 ein neuer Schwarzer Montag?
Die Parallelen zu 1987 sind kein Beweis für einen bevorstehenden Crash. Der US-Aktienmarkt zeigt bislang keine vergleichbare Panik, und der KI-Sektor erzielt weiterhin hohe Umsätze. Entscheidend dürften die anstehenden Quartalszahlen großer Technologiekonzerne, die Inflationsentwicklung und die Reaktion der Fed auf die wirtschaftliche Lage sein.




