Das Wichtigste in Kürze:
- Tesla präsentiert das erste fliegende Auto mit Science-Fiction-Stunt
- Der neue Roadster soll halbe Schallgeschwindigkeit erreichen
- Raketentriebwerke sind limitiert erhältlich, Tesla öffnet Reservierung
Guten Morgen!
Und plötzlich flog dieses Auto. Es stand in der Luft. Umgeben von schneeweißen Gaswolken aus unsichtbaren Düsen an Rumpf und Heck. Scheinbar mühelos schwebte der kantige Sportwagen über einer johlenden Menge. Abgehoben über Kopf von einer Rampe in Form eines Halb-Loopings. Schon die ersten Meter auf dem Weg zur Schwerelosigkeit schienen einem Science-Fiction-Film entlehnt. Der neue Roadster von Tesla fuhr langsam die Rampe hinauf, bis er senkrecht in der Luft stand – und blieb einfach stehen. Mit fauchenden Düsentriebwerken, im 90-Grad-Winkel zum Boden. Dann schoss er, Dach nach unten, Reifen nach oben, über die Rampe hinaus, drehte in der Luft eine Schraube, verharrte kurz in einigen Metern Höhe und landete schließlich federleicht.
Tesla postete in der Nacht auf Freitag ein Video, das den neuen Tesla Roadster zeigt, wie er einen Halb-Looping fährt, ohne von der Rampe zu fallen. Am Ende hebt das Auto ab.
Selbst Elon Musk schien es kurz die Sprache verschlagen zu haben. „Puuuh“, seufzte er in gespielter Erleichterung ins Mikrofon. Zuvor hatte er noch gewitzelt: „Wir wissen gar nicht, ob das jetzt funktioniert. Wenn nicht, sind wir wenigstens in sicherer Entfernung.“ Man fühlte sich unweigerlich an das Cybertruck-Fiasko erinnert, als Elon Musk im November 2019 auf der Bühne die vermeintlich unkaputtbaren Fenster des Edelstahl-Boliden (vermeintlich) versehentlich einschlug. Doch diesmal klappte alles. Tesla hat das erste fliegende Auto vorgestellt. Der vorläufige Preis ist überraschend. Und ausgerechnet ein deutscher Auto-Gigant hat dabei ein ganz schlechtes Timing.
0 auf 100 in unter 1 sec: Von „extrem dumm“ zu halber Schallgeschwindigkeit
„Von allen Tagen der menschlichen Geschichte müsst ihr euch ausgerechnet diesen Tag aussuchen, um ein neues Auto vorzustellen?“, frotzelte ein X-Nutzer in den Kommentaren. „Hallo, Autoindustrie? Ich würde gerne einen Mord melden“, schrieb ein anderer. „Stell dir vor, du bringst 2026 ein Auto auf den Markt, das nicht fliegen kann – ich würd’s nicht machen“, stichelte ein weiterer. Spätestens hier müsste klar werden, dass sich die Kommentare nicht auf das Video bezogen, das der offizielle Tesla-Account gegen vier Uhr morgens deutscher Zeit auf X gepostet hatte und damit in kürzester Zeit 20 Millionen Menschen erreichte.
Ganz unglückliches Timing von Porsche: Die Vorstellung des neuen Top-Modells aus Stuttgart wurde auf X von Häme begleitet.
Nein, es ging hier nicht um Tesla. Jedenfalls nicht vorrangig. Worauf die X-Community mit solcher Häme reagierte, war ein Post des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche. Nur wenige Stunden vor Teslas Roadster-Stunt hatte Porsche seinen neuen Mittelmotor-Boliden Mission S als neues Topmodell oberhalb der 911er-Reihe präsentiert. Obgleich ein schickes Konzept, ging der neue Porsche neben dem – auf Elon Musks eigener Social-Media-Plattform freilich nochmal stärkeren – Hype um den neuen Roadster unter. Und das ist auch kein Wunder. Schließlich haben Tesla-Fans fast zehn Jahre lang auf den neuen Roadster gewartet.
Die erste Generation des Tesla-Sportwagens kam 2017 auf den Markt und besaß ein Chassis des britischen Herstellers Lotus, das Tesla für seine Lithium-Ionen-Batterie verlängerte und mit eigener Antriebstechnologie ausstattete. Rückblickend bezeichnete Musk diese Strategie als „extrem dumm“, weil eine vollständige Eigenkonstruktion am Ende wohl nicht viel aufwändiger gewesen wäre als der Umbau. Damals wurden nur knapp 2500 Exemplare gebaut und verkauft. Das soll sich diesmal ändern. Die Serienproduktion ist für 2028 geplant, 10 000 Stück sollen vom Band laufen.
Der Prototyp beschleunigt laut Musk in weniger als einer Sekunde von 0 auf 100. Konkret gemessen wurden im Test 0.81 Sekunden, das Serienauto soll noch besser werden. Höchstgeschwindigkeit sind laut Tesla-Information satte 370 km/h, langfristig sei das Ziel, die halbe Schallgeschwindigkeit zu erreichen, kündigte Musk an. Bei 1234 km/h Schallgeschwindigkeit bei Luftwiderstand wären das am Ende 617 km/h. „Er kann im Grunde wie eine Rakete fliegen. Er kann Rollen machen, verrückte Akrobatik – im Grunde alles, was man will“, jubilierte der Tesla-Boss bei der Präsentation. Doch ein großes Aber bleibt. Denn es gibt einen Haken beim Raketen-Tesla.
Fliegende Autos auf den Straßen? So viel kostet der neue Roadster
„Das kommt dabei heraus, wenn man den besten Autobauer mit der besten Raketenfirma kreuzt“, schwadronierte Musk vor der Präsentation des neuen Roadster, die auf X im Livestream gut drei Millionen Menschen in ihren Bann zog. All jene, die schon bald dichten Autoverkehr in der Luft erwarten, musste Musk dann aber doch enttäuschen. Und das liegt nicht nur an den gesetzlichen Sicherheitsauflagen in vielen Teilen der Welt, die ein Auto mit halber Schallgeschwindigkeit und Düsenantrieb wohl kaum zeitnah zulassen würden.
Vielmehr ist Tesla selbst der limitierende Faktor. Der Roadster wird in drei Versionen aufgelegt: Die günstigste Performance-Variante kommt mit einem Sauggebläse-System, das in Kurven eine Bodenhaftung von bis zu 2g generieren soll. Das bedeutet, dass das doppelte Gewicht des Wagens auf der Straße lastet. Bei so extremen Geschwindigkeiten wie jenen, die Musk ankündigte, würden die Reifen sonst einfach durchdrehen. Wer allerdings tatsächlich von 0 auf 100 in unter einer Sekunde beschleunigen will, braucht die nächsthöhere Variante Thrust.

Laut Elon Musk soll der neue Roadster in weniger als einer Sekunde von 0 auf 100 beschleunigen. Perspektivisch ist die halbe Schallgeschwindigkeit das Ziel.
Fliegen können aber weder Performance noch Thrust. Das kann nur die Raketen-Variante mit dem Namen Rocket mit zehn Triebwerken, die aber streng limitiert sein wird und die Tesla nur „auf Einladung“ vergeben will. Wer einen Roadster haben will, kann ihn (vorbehaltlich regionaler Zulassungsbeschränkungen, die natürlich noch dazwischen grätschen können) bei Tesla bereits reservieren – für eine Reservierungsgebühr von 50 000 US-Dollar, von denen 5000 sofort und die restlichen 45 000 zehn Tage später zu entrichten sind. Zum finalen Preis und Einzelheiten der Zulassung machte Musk selbst keine Angaben.
Unter Tesla-Aktionären sorgte die Präsentation für positive Stimmung, aber nicht zu Luftsprüngen wie der Raketen-Roadster sie vollführte. Die Aktie sprang vorbörslich vom gestrigen Schluss bei gut 362 auf knapp 377 Dollar und notiert damit rund 25 Prozent unter ihrem Allzeithoch von etwa 500 Dollar im Dezember 2025. SpaceX verbesserte sich vorbörslich von gut 148 auf 152 Dollar – deutlich unter dem Rekord von Mitte Juni bei 225 Dollar. Kein Wunder beim Druck aus dem Tech-Sektor: Der Nasdaq-100 bleibt knapp unter 30 000 Punkten, der S&P 500 steht leicht im Plus bei 7744 Punkten.
FAQ zum neuen Tesla Roadster
Wann kommt der neue Tesla Roadster auf den Markt?
Die Serienproduktion des neuen Tesla Roadster ist für 2028 geplant. Tesla will rund 10 000 Exemplare produzieren. Ob dieser Zeitplan eingehalten wird, bleibt abzuwarten.
Wie schnell ist der neue Tesla Roadster?
Laut Elon Musk soll der Roadster in weniger als einer Sekunde von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Tesla nennt eine Höchstgeschwindigkeit von 370 km/h. Langfristig stellte Musk sogar die halbe Schallgeschwindigkeit von rund 617 km/h in Aussicht. Diese Leistungsdaten sind bislang nicht als Serienwerte bestätigt.
Kann der neue Tesla Roadster wirklich fliegen?
Nur die streng limitierte Version Rocket soll mit zehn Raketentriebwerken fliegen können. Die Varianten Performance und Thrust sind dagegen für den Straßenbetrieb ausgelegt. Ob und unter welchen Bedingungen die Flugfunktion technisch und rechtlich zugelassen werden kann, ist noch offen.
Was kostet der neue Tesla Roadster?
Einen endgültigen Kaufpreis hat Tesla bislang nicht genannt. Interessenten können das Fahrzeug laut den vorliegenden Angaben gegen eine Reservierungsgebühr von 50 000 US-Dollar vormerken lassen. Davon werden zunächst 5000 US-Dollar und zehn Tage später weitere 45 000 US-Dollar fällig.
Welche Tesla-Roadster-Versionen gibt es?
Tesla plant drei Varianten: Performance, Thrust und Rocket. Die Performance-Version soll mit einem Sauggebläse-System für mehr Bodenhaftung sorgen. Thrust ist für besonders starke Beschleunigung vorgesehen. Nur die limitierte Rocket-Version soll zehn Raketentriebwerke erhalten und Flugmanöver ermöglichen.






