Midterms-Sensation: Befeuert der Demokraten-Sieg diesen Altcoin-Hype?
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Midterms-Sensation: Befeuert der Demokraten-Sieg diesen Altcoin-Hype?

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Demokratischer Wahlerfolg verunsichert konservative Lager.

  • Vermögenssteuern? Privacy-Narrative im Kryptomarkt erleben Aufschwung.

  • NEAR verbindet vertrauliche Transaktionen mit Cross-Chain-Handel und KI-Anwendungen.

Guten Morgen!

Die US-Midterms sind geschlagen. Und das Ergebnis ist brisant. Denn die oppositionellen Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen einen seltenen Erfolg erzielt: Erstmals seit 2006 eroberte eine Oppositionspartei gleichzeitig die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus, ohne vorher in einer der beiden Kammern eine Mehrheit gehabt zu haben. Es ist zwar historisch nicht ungewöhnlich, dass die Oppositionspartei bei den Midterms erfolgreich zurückschlägt, doch beide Kammern auf einmal wurden bei den gestrigen Midterms erst zum fünften Mal seit 1946 zurückerobert.

Donald Trump machte dafür unter anderem die Leistbarkeitskrise in den USA verantwortlich. Ähnlich wie schon der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hatten die Demokraten mit einer Kampagne gegen die hohen Lebenshaltungskosten durchschlagenden Erfolg. Trump bezeichnete seine Gegner in den letzten Monaten mehrfach als radikale Sozialisten oder Kommunisten und befeuerte damit eine Urangst in den USA. Die Möglichkeit eines Linksrucks schlug Wellen bis in den Kryptomarkt, wo ein Altcoin-Projekt massiv profitierte: Near Protocol.

Linksruck in den USA? Krypto antwortet mit Privacy-Hype

Wie bedeutsam die diesjährigen Midterms waren, zeigte sich schon vor der eigentlichen Wahl: Bis zum vergangenen Freitag hatten bereits fast 48 Millionen Menschen gewählt – ein neuer Rekord für die vorzeitige Stimmabgabe. Bei den letzten Midterms hatten sich knapp 174 Millionen Wähler – wie es in den USA Pflicht ist – im Vorhinein zur Wahl registriert; diesmal waren es deutlich über 200 Millionen. Bereits in der Nacht kristallisierte sich heraus, dass die Demokraten beide Parlamentskammern gewinnen würden, am Mittwochmorgen stand das Ergebnis fest.

Aktueller Stand am Dienstagmorgen: Die Demokraten gewinnen beide Kammern und erobern mehrere Staaten von den Republikanern.

Aktueller Stand am Dienstagmorgen: Die Demokraten gewinnen beide Kammern und erobern mehrere Staaten von den Republikanern.

Im Senat sicherten sich die Demokraten nach Angaben der Nachrichtenagentur AP mindestens 54 der 100 Sitze und damit sieben Mandate mehr als vor der Wahl. Die Republikaner kommen bislang auf 41 Sitze, acht Rennen waren zunächst noch nicht entschieden. Im Repräsentantenhaus gewannen die Demokraten mindestens 224 Mandate und damit eine Mehrheit in der 435 Sitze umfassenden Kammer. Für die Kontrolle sind dort 218 Sitze erforderlich.

Die Demokraten versprachen vor den Midterms, die hohen Lebenshaltungskosten zu bekämpfen. Sie machten die Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung für Inflation und steigende Lebensmittelpreise verantwortlich. Auch von höheren Vermögenssteuern war in einzelnen Bundesstaaten die Rede. Die Forderungen nach höheren Abgaben für Vermögende, die vor allem progressive Demokraten vertraten, stießen in konservativen Lagern auf Widerstand. Im Kryptomarkt heizte die Aussicht auf stärkere Umverteilung und Kapitalkontrolle vor allem ein (vielerorts umstrittenes) Narrativ an: Privacy. Davon profitierte der Altcoin Near, den wir ab heute neu in unsere Analyse aufnehmen.

NEAR: Wer hat etwas zu verbergen?

Die Privacy-Debatte ist eines der großen Narrative im Kryptomarkt. Der Grundgedanke besteht darin, Transaktionen und damit Besitzverhältnisse zu verschleiern. Von Beginn an war Bitcoin ein Symbol für finanzielle Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vom Bankensektor. Wer allerdings seinen Besitz verschleiern will, ist bei Bitcoin nicht unbedingt an der richtigen Stelle. Denn die BTC-Blockchain ist nicht anonym, sondern nur pseudonym. Das bedeutet: Transaktionen einer Wallet können lückenlos verfolgt werden. Wer die Person hinter einer Wallet-Adresse kennt, kennt ihr Vermögen.

Das wollen Privacy-Blockchains ändern. Sie verschleiern Transaktionen und machen die Rückverfolgbarkeit schwierig bis unmöglich. Das verschafft Branchenvertretern wie Zcash (ZEC) oder Monero (XMR) keinen guten Ruf – ab 2027 soll der Handel mit beiden in der EU eingeschränkt werden –, da ihnen vorgeworfen wird, mit der Privacy-Technologie zu Geldwäsche und Kriminalität beizutragen.

Schon 2025 begann die enge Zusammenarbeit von Zcash und Near. In den letzten Monaten korrelierten beide Coins eng. ZEC erreichte im Privacy-Hype neue Allzeithochs, Near verfünffachte seinen Preis.

Schon 2025 begann die Zusammenarbeit von Zcash und Near. In den letzten Monaten korrelierten beide Coins eng. ZEC erreichte im Privacy-Hype neue Allzeithochs, Near verfünffachte seinen Preis.

Hier liefert die Layer-1-Blockchain NEAR einen Kompromiss: Nutzer sollen Transaktionen über verschiedene Blockchains hinweg ausführen können, ohne dabei sämtliche Details offenzulegen. Die Abwicklung bleibt dabei grundsätzlich überprüfbar. Nutzer geben lediglich vor, welches Ergebnis sie erreichen wollen. Das Netzwerk koordiniert anschließend die Ausführung über verschiedene Blockchains und Liquiditätsanbieter. Ziel ist es, die Diskretion zentralisierter Handelsplätze mit der Nachvollziehbarkeit öffentlicher Netzwerke zu verbinden.

Ein wichtiger Baustein ist die Zusammenarbeit mit Zcash. Seit Anfang 2025 existieren Pläne zur Zusammenarbeit, Anfang 2026 wurde die Integration schrittweise ausgebaut: Im Mai kamen ZEC-Swaps über NEAR hinzu, im August folgte die Integration in die Zodl-Wallet. Nutzer können dadurch andere Kryptowährungen wie Bitcoin, Solana oder USDC in abgeschirmte ZEC umtauschen. Rund um die ZEC-Integration explodierte der NEAR-Kurs zwischen Februar und September von gut einem auf fast sechs Dollar. Doch NEAR ist viel mehr als eine Finanzschiene für Nutzer, die anonym handeln wollen.

KI-Agenten: NEAR ist mehr als ein Finanz-Versteck

Der Privacy-Ansatz reicht bei NEAR über Finanztransaktionen hinaus. Mit dem Aufstieg autonomer KI-Agenten wächst auch der Bedarf, sensible Daten sicher zu verarbeiten. Solche Agenten sollen künftig nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben erledigen – etwa Zahlungen ausführen, Reisen buchen oder digitale Vermögenswerte verwalten. Dafür benötigen sie Zugriff auf persönliche Informationen und Wallets.

NEAR AI stellt dafür eine Infrastruktur bereit, die vertrauliche und überprüfbare KI-Anwendungen ermöglichen soll. Eine zentrale Rolle spielen sogenannte Trusted Execution Environments (TEEs). Dabei handelt es sich um abgeschirmte Bereiche eines Prozessors, in denen Daten und Berechnungen vor Zugriffen von außen geschützt werden. Kryptografische Nachweise sollen zusätzlich belegen können, dass eine Berechnung tatsächlich in dieser geschützten Umgebung stattgefunden hat.

Fünf neue Altcoins in unserer Analyse und NEAR ist dabei. Zudem sind HYPE, ONDO, OP und IMX neu im Altcoin-Paket.

Fünf neue Altcoins in unserer Analyse und NEAR ist dabei. Zudem sind HYPE, ONDO, OP und IMX neu im Altcoin-Paket.

Zum Angebot gehören NEAR AI Cloud für private KI-Inferenz, IronClaw für dauerhaft aktive Agenten in verschlüsselten Umgebungen sowie ein Marktplatz für vertrauliche KI-Agenten und GPU-Rechenleistung. Damit richtet sich NEAR sowohl an Entwickler und Unternehmen als auch an Nutzer, die persönliche Daten nicht an öffentliche KI-Dienste weitergeben möchten.

Die Verbindung zum Krypto-Ökosystem entsteht über NEAR Intents. Während NEAR AI die vertrauliche Verarbeitung von Aufgaben ermöglichen soll, koordiniert Intents die dazugehörigen Zahlungen und Transaktionen über verschiedene Blockchains hinweg. Ein Beispiel ist die Reiseplattform TravAI, die Intents für Zahlungen mit unterschiedlichen Kryptowährungen nutzt.

Der NEAR-Token: Was Anleger wissen müssen

NEAR ist eine Layer-1-Blockchain, deren Mainnet im April 2020 gestartet wurde. Das Netzwerk nutzt Proof of Stake: Validatoren hinterlegen NEAR-Token, um Transaktionen zu bestätigen und das Netzwerk abzusichern. Für eine höhere Skalierbarkeit setzt NEAR auf Nightshade-Sharding. Dabei wird die Verarbeitung auf mehrere sogenannte Shards verteilt, statt sämtliche Aufgaben über eine einzige Kette abzuwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die sogenannte Chain Abstraction. Sie soll Nutzern den Umgang mit verschiedenen Blockchains erleichtern. Über Chain Signatures können NEAR-Konten und Smart Contracts Transaktionen auf anderen Netzwerken signieren. NEAR Intents baut darauf auf und soll die technische Komplexität hinter Cross-Chain-Transaktionen für den Nutzer reduzieren.

NEAR ist keine reine Privacy-Blockchain, aber ermöglicht verschleierte Transaktionen, etwa über Zcash. Was die einen als Privatsphäre schätzen, wird von anderen kritisiert: Demnach könne die Intransparenz etwa Geldwäsche oder Steuerhinterziehung erleichtern.

NEAR ist keine reine Privacy-Blockchain, aber ermöglicht verschleierte Transaktionen, etwa über Zcash. Was die einen als Privatsphäre schätzen, wird von anderen kritisiert: Demnach könne die Intransparenz etwa Geldwäsche oder Steuerhinterziehung erleichtern.

Der NEAR-Token wird für Transaktionsgebühren, Speicherplatz, Staking und Governance verwendet. Zum Start wurden eine Milliarde Token geschaffen. Da es keine feste Obergrenze gibt, kann das Angebot durch neue Ausgabe wachsen. Die jährliche Inflationsrate wurde von ursprünglich fünf auf 2.5 Prozent gesenkt. Eine weitere Reduzierung auf 1.6 Prozent innerhalb von 24 Monaten ist Teil einer laufenden Initiative.

Aktuell sind 1.31 Milliarden NEAR im Umlauf, die Marktkapitalisierung beläuft sich auf rund 4.7 Milliarden US-Dollar. Um die Umlaufmenge sukzessive zu verringern wird ein Teil der Transaktionsgebühren verbrannt. Zudem ist der sogenannte Fee Switch für NEAR Intents aktiv: Einnahmen aus dem Produkt können für Rückkäufe des NEAR-Tokens verwendet werden. Eine womöglich deflationäre Wirkung hängt davon ab, wie stark das Netzwerk genutzt wird und welche Einnahmen tatsächlich entstehen.

NEAR Protocol: KI-Superstar oder Safe Space für Kriminelle?

Der Privacy-Ansatz von NEAR ist umstritten: Was Anlegern mehr finanzielle Privatsphäre verspricht, kann auch missbraucht werden. Wenn Transaktionen schwerer nachzuverfolgen sind, erschwert das unter Umständen die Arbeit von Steuerbehörden und Ermittlern. Kritiker sehen deshalb Risiken bei Steuerflucht, Geldwäsche und der Verschleierung illegal erworbener Vermögen.

NEAR selbst arbeitet mit dem Analyseunternehmen Elliptic zusammen, um verdächtige Krypto-Wallets und Geldflüsse aufzuspüren. Auch bei NEAR Intents werden Transaktionen vor der Ausführung mit Datenbanken abgeglichen, die Hinweise auf Geldwäsche, Betrug oder sanktionierte Akteure enthalten. Werden verdächtige Aktivitäten erkannt, können entsprechende Wallet-Adressen von der Nutzung ausgeschlossen werden. Die Kontrollen gelten allerdings nicht für sämtliche Aktivitäten auf der NEAR-Blockchain. Sie beziehen sich insbesondere auf die über NEAR Intents abgewickelten Transaktionen. Eine lückenlose Überwachung des gesamten Ökosystems lässt sich daraus nicht ableiten.

NEAR Protocol ist einer von fünf neuen Werten, die seit dem 2. November im HKCM-Altcoin-Paket analysiert werden. Neben NEAR wurden auch Hyperliquid (HYPE), Ondo (ONDO), Optimism (OP) und Immutable X (IMX) aufgenommen. Damit erweitert sich das Paket um Projekte aus unterschiedlichen Bereichen des Kryptomarkts – von dezentralen Handelsplattformen und tokenisierten Vermögenswerten bis hin zu Blockchain-Infrastruktur, Gaming und KI-Anwendungen.

FAQ: NEAR und der Privacy-Hype

Was ist NEAR Protocol?

NEAR ist eine Layer-1-Blockchain, die unter anderem auf skalierbare Anwendungen, Cross-Chain-Transaktionen und vertrauliche Datenverarbeitung setzt.

Was bedeutet Privacy im Kryptomarkt?

Privacy bezeichnet Technologien, die persönliche Finanzdaten und Transaktionen vor öffentlicher Einsicht schützen sollen. Je nach Technologie können beispielsweise Absender, Empfänger oder Transaktionsbeträge verborgen werden.

Wie unterscheidet sich NEAR von Privacy-Coins wie Monero oder Zcash?

NEAR ist keine reine Privacy-Blockchain. Das Netzwerk verbindet vertrauliche Transaktionen mit Anwendungen auf verschiedenen öffentlichen Blockchains. Zcash und Monero sind dagegen speziell auf den Schutz der Privatsphäre bei Zahlungen ausgerichtet.

Wie geht NEAR gegen Geldwäsche und Kriminalität vor?

NEAR arbeitet mit Blockchain-Analyseunternehmen wie Elliptic zusammen. Bei NEAR Intents werden Transaktionen zudem auf verdächtige Wallet-Adressen und mögliche Verbindungen zu illegalen Aktivitäten geprüft.

Wofür wird der NEAR-Token benötigt?

Der Token dient unter anderem zur Bezahlung von Transaktionsgebühren, für Speicherplatz, zum Staking und für die Governance des Netzwerks.

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