Das Wichtigste in Kürze
Ethereum muss Bitcoin outperformen, während die Bitcoin-Dominanz deutlich zurückgeht.
Total3 bei 782 Milliarden und Others bei 208 Milliarden US-Dollar sind wichtige Marken.
Eine Altcoin-Season ist nicht bestätigt, aber die Vorzeichen sind vielversprechend.
Guten Morgen!
Gestern überschlugen sich die schlechten Nachrichten: Trump witzelte darüber, dass eigene Städte bombardiert würden; Gerüchte über neue Angriffspläne auf den Irankamen auf. Parallel erreichte der US-Dollar ein neues Mehrmonats- und US-Anleihezinsen ein 24-Jahreshoch. Für einen weiteren Schock sorgte OpenAI, das seine Umsatzziele dieses Jahr laut eigener Aussage um 20 Milliarden Dollar verfehlt. Bitcoin stürzte in Richtung 80 000 Dollar, Ethereum auf 2400 Dollar. Heute, nur wenige Stunden später, sieht die Welt schon wieder anders aus: Trump ruderte zurück und kündigte an, bis zu den Midterm-Wahlen im November auf Iran-Angriffe zu verzichten.

Altcoins kamen in den letzten Tagen gehörig unter die Räder. Die Outperformance gegen Bitcoin hält bei kleinen Kryptos (Others) aber seit Februar an.
Prompt fielen 10-jährige US-Anleihen von 5.35 auf rund 5.25 Prozent zurück, der Brent-Ölpreis kühlte von 105 auf 101 Dollar ab und der Dollar unterbrach seine Rallye. Das gab dem Kryptomarkt Luft zum Atmen: Bitcoin kehrte auf 82 500 Dollar zurück, Ethereum notiert am Freitagmorgen bei rund 2500 Dollar. Altcoins kamen zwar kurzzeitig gehörig unter die Räder, zeigen aber seit dem Februar-Tief relative Stärke gegenüber Bitcoin. Von einer richtigen Altcoin-Season zu sprechen, wäre natürlich viel zu früh – aber was muss dafür eigentlich passieren? Zwei Charts sind dafür entscheidend.
ETH/BTC und BTC.D: Der Stoff, aus dem die Altcoin-Season ist
Die Historie des Kryptomarktes zeigt: Für eine voll entfaltete Altcoin-Season braucht es vor allem zwei Dinge – relative Stärke von Ethereum und eine deutliche Korrektur in der Bitcoin-Dominanz. Das bedeutet: Ethereum muss über einen längeren Zeitraum deutlich stärker steigen als Bitcoin und der gesamte Altcoin-Sektor muss im Verhältnis zu BTC deutliche Marktanteile gewinnen. So weit, so einleuchtend. Aber wie steht es eigentlich um Ethereums relative Performance und die Entwicklung des Bitcoin-Marktanteils am gesamten Kryptosektor?

Die Bitcoin-Dominanz (oben) dürfte ihr Zyklushoch überschritten haben, bei Ethereum erwarten wir anhaltende Outperformance gegenüber BTC (unten).
Ein Blick auf den ersten Chart gibt Aufschluss. Seit mehr als einem Jahr (nämlich seit August 2025) bewegt sich die Bitcoin-Dominanz (oben) in einer engen Seitwärtsbewegung zwischen rund 57 und 61 Prozent. Von Winter 2025 bis Sommer 2026 korrigierte Bitcoin deutlich, fiel von 126 000 auf zwischenzeitlich rund 58 000 Dollar und Altcoins wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Bitcoins Marktanteil blieb zwar gleich, aber der gesamte Kryptosektor verlor in dieser Zeit gut 53 Prozent an Marktkapitalisierung: von 4.26 Billionen Dollar in der Oktober-Spitze auf nur noch rund zwei Billionen Dollar am Juni-Tief.
Diese Abverkäufe trafen vor allem kleinere Altcoins hart und auch Ethereum litt deutlich: Ein Ethereum war Mitte August 2025 nach der Rallye auf neue ETH-Allzeithochs rund 0.043 Bitcoin wert (also etwa 4.3 Prozent eines BTC). Dieses Verhältnis, das in der Spitze 2017 bei satten 0.155 und 2022 zumindest noch bei 0.084 gelegen hatte, fiel während der Seitwärtsphase in der Bitcoin-Dominanz von August 2025 bis Juni 2026 auf 0.026 zurück. Zuletzt ging es wieder etwas aufwärts auf 0.034, die gestrige Korrektur sorgte aber wieder für einen Rückschritt auf rund 0.03.
Und dennoch stehen die Zeichen gut: Laut unserer Elliott-Wellen-Zählung sollte die Bitcoin-Dominanz ihr Zyklushoch Mitte Juni 2025 bei rund 66 Prozent erreicht haben und dieses nicht mehr nachhaltig überschreiten. Vielmehr rechnen wir in der aktuellen Korrekturwelle mit einem deutlichen Rücksetzer. Gleichzeitig soll Ethereum im Verhältnis zu Bitcoin (ETH/BTC) neue Mehrjahreshochs erreichen. Und der breite Altcoin-Sektor? Dafür blicken wir auf den zweiten wichtigen Chart zum Thema Altcoin-Season.
Total3 und Others: Ist das der Altcoin-Ausbruch?
Im Altcoin-Sektor gibt es zwei wichtige Marktsymbole: Total3 und Others. Total3 umfasst die gesammelte Marktkapitalisierung der Top-125 Altcoins (exklusive Bitcoin und Ethereum) und notiert aktuell bei ziemlich genau 800 Milliarden Dollar. Others bildet den kumulierten Börsenwert der nächstkleineren Altcoins außerhalb der Krypto-Top-10 ab und steht bei gut 230 Milliarden Dollar. Beide haben mit den jüngsten Anstiegen im August und September ihre Mai-Hochs überschritten. Wie im ersten Bild in der Einleitung zu sehen ist, performten die kleinen Kryptos (Others) dabei sogar deutlich besser als Bitcoin und Total3.

Laut unserer Elliott-Wellen-Zählung kann der nächste Aufwärts-Impuls die kumulierte Altcoin-Marktkapitalisierung auf neue Rekordhochs tragen. Dafür müssen wichtige Kursmarken halten.
Der deutliche Rücksetzer der letzten Tage führte sowohl bei Others als auch bei Total3 zu neuerlichen Tests (von oben her) der Mai-Hochs und hier wird es wichtig: Um einen neuen Aufwärtstrend zu bestätigen, der mit den höheren Hochs im September begonnen haben dürfte, sollten die Mai-Kurse im besten Fall nicht mehr unterschritten werden. Verteidigt der Altcoin-Sektor diese Niveaus erfolgreich, könnte er damit das Fundament für weitere Anstiege legen. Gelingt das nicht, so muss zumindest ein höheres Tief im Vergleich zu Mitte August her, um den Aufwärtstrend zu verteidigen.
Wichtig sind dabei drei Dinge: Erstens handelt es sich in diesem Chart um Wochenkerzen. Ein kurzes Unterschreiten der Mai-Hochs für einen oder ein paar Tage wäre kein Beinbruch, solange der Wochenschluss wieder darüber erfolgt. Um diese Preislevel zu sichern, könnte der Altcoin-Sektor hier etwas Zeit für eine Konsolidierung brauchen. Zweitens erfolgt kein Anstieg ohne Rücksetzer. Selbst wenn jetzt eine neue Aufwärtswelle startet, ist mit hoher Volatilität zu rechnen. Und drittens sind Rückschlüsse von Total3 und Others auf einzelne Altcoins nur bedingt möglich.
Kommt die Altcoin-Season?
Besonders wichtig ist der dritte Punkt: Manche Altcoins sind fundamental stärker als andere. Deshalb kann es sein, dass gewisse Kryptowährungen stärker oder schwächer performen als die kumulierte Marktkapitalisierung des Altcoin-Sektors. Während starke Altcoins seit den Juni-Tiefs schon mehrere 100 Prozent zugelegt haben, hinken viele noch deutlich hinterher und setzen in den schwächsten Fällen sogar neue Zyklustiefs. Die Lektion daraus ist: Stärke bei Total3 und Others bedeutet nicht, dass jeder Altcoin stark steigt. Eine sinnvolle Auswahl fundamental starker Projekte ist entscheidend.

Die Others-Marketcap versucht, aus dem jahrelangen Abwärtstrend gegen Bitcoin auszubrechen. Achtung: Nicht alle Altcoins sind gleich stark, gesundes Risikomanagement ist unverzichtbar!
Mindestens ebenso wichtig ist gesundes Risikomanagement. Der Kryptomarkt bleibt der volatilste und riskanteste Sektor des Finanzmarkts. Auch in möglichen neuen Aufwärtstrends gibt es immer wieder scharfe Rücksetzer, die sich mit wachsender Euphorie nur noch verstärken. Dass sich der Altcoin-Sektor zuletzt erholt hat, heißt nicht, dass es nie wieder gute Einstiegsmöglichkeiten gibt. Blinde Euphorie und kurzentschlossene Panikkäufe sind bei Aufwärtsbewegungen keine gute Idee.
Sollte unser Primärszenario aufgehen und die Bitcoin-Dominanz deutlich fallen, während ETH/BTC und die Altcoin-Marktkapitalisierung nach oben ausbrechen, hat dieser Zyklus noch gutes Potenzial. Diese These würde geschwächt werden, wenn die Altcoin-Marktkapitalisierung die Mai-Hochs nachhaltig verliert und kein höheres Tief im Vergleich zu August halten kann, die Bitcoin-Dominanz neue Zyklushochs erreicht (und diese über längere Zeit verteidigt), oder ETH/BTC auf neue Tiefs fällt. In diesen Fällen könnte sich die übergeordnete Korrektur verlängern.
Eine Altcoin-Season ist also nicht garantiert, aber die Vorzeichen sind vielversprechend. Kurzfristige Volatilität ist dabei kaum vorherzusehen und für die übergeordneten Szenarien auf den Wochen- und Monatscharts auch wenig relevant (solange keine entscheidenden Marken nachhaltig gebrochen werden). Kurzfristig bleibt der Druck im Finanzmarkt bestehen: Ölpreise, der US-Dollar und US-Anleihen kühlen zwar leicht ab, S&P 500 (-0.47 Prozent auf 7765 Punkte) und Nasdaq-100 (-1.39 Prozent auf 30 725) litten dennoch. Der Goldpreis stieg hingegen leicht auf 4220 Dollar je Unze.
Leseempfehlung: US-Anleihezinsen auf 24-Jahreshoch – unser Phantom hat keine Panik!
FAQ zur Altcoin-Season
Was ist eine Altcoin-Season?
Eine Altcoin-Season ist eine Marktphase, in der alternative Kryptowährungen Bitcoin über einen längeren Zeitraum deutlich outperformen. Häufig steigen dabei sowohl der Ethereum-Kurs relativ zu Bitcoin als auch die Marktkapitalisierung des breiten Altcoin-Sektors.
Welche Indikatoren zeigen den Beginn einer Altcoin-Season?
Besonders wichtig sind das Verhältnis von Ethereum zu Bitcoin (ETH/BTC), die Bitcoin-Dominanz (BTC.D) und die Marktkapitalisierung der Altcoins. Steigt ETH/BTC, während die Bitcoin-Dominanz fällt und der Altcoin-Sektor neue Hochs erreicht, spricht das für eine zunehmende relative Stärke der Altcoins.
Was bedeuten Total3 und Others im Kryptomarkt?
Total3 bildet die gesamte Marktkapitalisierung der 125 größten Kryptowährungen ohne Bitcoin und Ethereum ab. Others erfasst den kumulierten Börsenwert kleinerer Kryptowährungen außerhalb der Top 10. Beide Indizes helfen dabei, die Entwicklung des Altcoin-Sektors unabhängig von Bitcoin und Ethereum einzuschätzen.
Welche Kursmarken sind für eine mögliche Altcoin-Season entscheidend?
Im analysierten Chart liegen die wichtigen Unterstützungen bei rund 782 Milliarden US-Dollar für Total3 und 208 Milliarden US-Dollar für Others. Halten diese Marken auf Wochenschlussbasis, könnte das die jüngste Aufwärtsbewegung bestätigen. Ein nachhaltiger Bruch würde das Szenario schwächen. Für eine Altcoin-Season muss Bitcoin Marktanteile an den Altcoin-Sektor abgeben.
Ist eine Altcoin-Season bereits bestätigt?
Nein. Zwar haben Total3 und Others ihre Mai-Hochs zuletzt überschritten, doch die jüngsten Rücksetzer stellen die Ausbruchsbewegung auf die Probe. Auch ETH/BTC muss sich nachhaltig erholen und die Bitcoin-Dominanz deutlich nachgeben, bevor sich eine breite Altcoin-Season bestätigen lässt.
Werden bei einer Altcoin-Season alle Kryptowährungen steigen?
Nein. Auch in einer Altcoin-Season entwickeln sich einzelne Kryptowährungen sehr unterschiedlich. Fundamental starke Projekte können deutlich besser abschneiden, während schwächere Coins hinterherhinken oder neue Tiefs erreichen. Die Stärke des Gesamtmarkts lässt deshalb keine sicheren Rückschlüsse auf einzelne Altcoins zu.




