Das Wichtigste in Kürze:
- Washington stützt Anleihemarkt und Banken mit Liquiditätsmaßnahmen.
- Trump plant einen Billionen-Stimulus für US-Bürger und macht Druck auf die Fed.
- Mehr Liquidität könnte Bitcoin und später auch Altcoins beflügeln.
Guten Morgen!
Die USA brauchen Geld. Viel Geld. Dafür greift Washington an mehreren Stellen in die Finanzmärkte ein. Das US-Finanzministerium kauft langfristige Staatsanleihen zurück und könnte dafür auf einen Teil des fast eine Billion Dollar schweren Treasury-General-Accounts zurückgreifen. Gleichzeitig verspricht Donald Trump jedem erwachsenen US-Bürger 5000 Dollar – ein potenzielles Stimulusprogramm von rund 1.2 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Während Corona wurden drei Runden solcher Stimulus-Schecks ausgegeben mit einem Gesamtvolumen von knapp 850 Milliarden Dollar.
Noch ist das kein voll entfaltetes Quantitative-Easing-Programm. Doch die einzelnen Maßnahmen ergeben zusammen ein bemerkenswertes Bild: Treasury, Regierung und Bankenregulierung werden zunehmend so ausgerichtet, dass der Finanzmarkt mehr Staatsanleihen aufnehmen und höhere Schulden besser verkraften kann. Bei mehr als 40 Billionen Dollar US-Staatsschulden und weiter steigenden langfristigen Renditen ist das eine Mammutaufgabe. Im Markt kommt immer mehr frisches Geld an. Bitcoin und Altcoins spüren das.
Washington beginnt, den Anleihemarkt zu stützen
Das Finanzministerium kauft langfristige Staatsanleihen zurück, um den Markt zu beruhigen. Am Donnerstag stehen bis zu sechs Milliarden Dollar an zehn- bis 20-jährigen Papieren auf dem Einkaufszettel – dreimal so viel wie bei der bisherigen Obergrenze. Seit 2024 gelten zwei Milliarden Dollar monatlich als Obergrenze des regulären Liquiditätsprogramms, erst im August hatte Bessent diese Marke auf vier Milliarden verdoppelt.
Die Käufe sollen den Renditeanstieg im Anleihemarkt dämpfen, der die Neuverschuldung der USA massiv verteuert. Dafür Finanzminister Scott Bessent auch den Treasury-General-Account anzapfen - eine Art Girokonto der Regierung, wo rund eine Billion Dollar liegen.
Krieg im Weißen Haus: Fed-Chef Kevin Warsh will die Fed-Bilanz nicht aufblähen. Finanzminister Bessent und US-Präsident Trump verstärken den Druck, um das Gegenteil zu erreichen.
Der aktuelle Treasury-Kauf von bis zu sechs Milliarden Dollar ist relativ klein. 2012 etwa kaufte die Fed rund 85 Milliarden Dollar Wertpapiere pro Monat. In der Corona-Krise 2020 waren die Dimensionen nochmals größer: Die Fed kaufte zeitweise rund 80 Milliarden Dollar an Treasuries und 40 Milliarden Dollar Hypothekenpapiere – insgesamt 120 Milliarden Dollar pro Monat. Die Bilanz der Notenbank stieg von rund 4.2 Billionen Dollar Anfang 2020 auf mehr als acht Billionen Dollar Mitte 2021.
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Interessant wird die Situation durch den Konflikt mit der Fed. Kevin Warsh will die Bilanz der Notenbank offenbar nicht erneut in dem Ausmaß aufblähen wie während früherer QE-Programme. Bessent weitet dagegen die Anleihekäufe des Treasury aus. Gleichzeitig drängt Trump Warsh auf eine Zinssenkung beim FOMC-Treffen am 16. September und droht damit, den Handel mit allen Ländern einzustellen, die mehr in die USA exportieren als selbst einkaufen. Das beträfe knapp 100 Staaten.
Kein QE – aber ein cleverer Trick von Scott Bessent
Bessents Anleihen-Rückkäufe schaffen kein neues Zentralbankgeld. Vielmehr werden dabei Anleihenbestände umgeschichtet (etwa neue kurzlaufende Anleihen verkauft, um mit dem Geld langlaufende zu kaufen) und Währungsreserven aus dem Regierungs-Girokonto (Treasury-General-Account) in den Markt gegeben.
Bei QE dagegen kauft die Fed selbst Wertpapiere und gibt dafür neues Geld in den Markt. Dass Washington überhaupt beginnt, den Markt auf diese Weise zu stützen, zeigt allerdings, wie groß der Druck am Anleihemarkt geworden ist.
Bessent kauft Anleihen vom offenen Markt und lockert die Bankenregeln. So können große Banken einen Teil der QE-Aufgaben der Fed übernehmen, wenn Warsh sich sträubt.
Eine weitere Liquiditätsschleuse öffnet sich im Bankensektor durch neue Regelungen der sogenannten Enhanced Supplementary Leverage Ratio (eSLR). Seit April müssen große US-Banken dank lockerer Eigenkapitalregeln (eSLR) spürbar weniger Cash als Sicherheit für Anleihengeschäfte zurückhalten.
Die Banken erhalten dadurch deutlich mehr finanziellen Spielraum, um als Zwischenhändler aufzutreten, US-Staatsanleihen zu kaufen und dafür Kapital in den Markt zu geben. Ähnliche Notfall-Lockerungen wurden bereits in der Pandemie erfolgreich genutzt, um einen Kollaps des wichtigen Anleihemarkts abzuwenden.
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Das ist ein cleverer Kniff von Scott Bessent: Da sich die Fed unter Kevin Warsh weigert, frisches Geld zu drucken, spannt das Finanzministerium kurzerhand die Wall-Street-Riesen als Ersatzkäufer ein. Durch die regulatorischen Lockerungen schaufelt Bessent den Geschäftsbanken den nötigen Bilanzspielraum frei, damit diese die massiven Mengen an US-Staatsanleihen aufsaugen können. Die Banken übernehmen somit faktisch die QE-Rolle der Notenbank – und Bessent kann die Zinsen am Anleihemarkt auch ohne die Fed künstlich deckeln.
Der Stimulus könnte die nächste Stufe sein
Noch interessanter wird es, wenn zu diesen Maßnahmen tatsächlich fiskalische Transfers kommen. Trump hat eine Zahlung von 5000 Dollar an jeden erwachsenen US-Bürger angekündigt. Bei rund 240 Millionen Erwachsenen entspräche das einem Volumen von etwa 1.2 Billionen Dollar. Während Corona wurden in drei Stimulus-Runden knapp 850 Milliarden an US-Bürger ausgegeben. Dadurch steigen die Bankguthaben der Empfänger und die Nachfrage nach Waren, Dienstleistungen und Finanzanlagen.
QE oder kein QE, das ist hier die Frage! Aktuell ist Washingtons Liquiditätspolitik nicht mit früherem Quantitative Easing vergleichbar. Aber die Ansätze ähneln sich.
Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen den einzelnen Instrumenten: Das Finanzministerium kann Anleihen zurückkaufen, die Banken können dank der eSLR-Lockerung mehr Staatsanleihen aufsaugen und der Staat kann Geld an Haushalte transferieren. Keine dieser Maßnahmen ist für sich genommen QE. Denn nur die Fed kann frisches Geld drucken. Wenn Warsh aber nun die Zinsen senkt und später womöglich selbst wieder Wertpapiere kauft, greifen mehrere Liquiditätskanäle gleichzeitig.
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Dann würde aus einer Reihe einzelner Maßnahmen tatsächlich ein deutlich expansiveres Regime. Und genau deshalb ist der Streit zwischen Warsh und Bessent für die Märkte so wichtig. Warsh steht für eine Fed, die ihre Bilanz klein halten und nicht wieder zum dominanten Käufer am Anleihemarkt werden will. Bessent und Trump verfolgen dagegen eine Politik, die niedrigere Finanzierungskosten und mehr wirtschaftlichen Stimulus in den Mittelpunkt stellt. Aber der Druck auf die Fed wächst.
Starten die USA den Drucker? Altcoins würden sich freuen
Bereits der erste große Bitcoin-Bullrun 2012 war begleitet von einem großen QE-Programm. Auch der zweite fiel 2017 mit einer globalen Liquiditätswelle zusammen. Die Fed war zwar bereits weniger expansiv, EZB und Bank of Japan hielten die globale Liquidität aber hoch. Noch deutlicher war der Zusammenhang 2020/21: Auf die massive geld- und fiskalpolitische Unterstützung wegen Corona folgte der Anstieg von Bitcoin von rund 5000 auf 69 000 Dollar und anschließend eine historische Altcoin-, DeFi- und NFT-Rally.
Krypto folgte bisher der globalen Zentralbank-Liquidität. 2012 profitierte Bitcoin noch allein; seit 2017 reagierten Altcoins umso stärker auf QE. Wie geht es weiter?
An den Märkten ist davon bislang allerdings wenig Euphorie zu sehen. Der S&P 500 notiert kaum verändert bei gut 7630 Punkten, der Nasdaq-100 bei knapp über 29 400 Punkten. Bitcoin geriet gestern deutlich unter Druck und fiel zwischenzeitlich unter 78 000 Dollar zurück, Ethereum rutschte ebenfalls ab und behält die Marke von rund 2500 Dollar im Blick. Für Druck auf Risikoanlagen sorgten die erneut steigenden US-Anleiherenditen und die Rohöl-Rallye, die WTI zeitweise über 97 Dollar trieb. Gold liegt bei knapp 4470 Dollar je Unze leicht im Plus.
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