Das Wichtigste in Kürze:
Unser Rohstoffanalyst sieht bei Gold und Silber wichtige charttechnische Signale.
Die jüngsten Kursbewegungen werfen Fragen zum richtigen Einstiegszeitpunkt auf.
Physisches Gold oder Wertpapiere? Beim Kauf gibt es einiges zu beachten.
Jeder kennt das Sprichwort, sich eine goldene Nase zu verdienen. Nicht ohne Grund gilt Gold bereits seit der Antike als Symbol für Reichtum, Macht und Beständigkeit. Kaiser und Könige schmückten sich damit, ganze Generationen vertrauten dem Edelmetall ihr Erspartes an. Doch wie krisensicher ist das Edelmetall tatsächlich? Und lohnt sich der Einstieg überhaupt noch? Schließlich ist auch Silber längst mehr als nur die kleine Schwester des Goldes und für Anleger eine interessante Alternative.
Doch wer erstmals in Edelmetalle investieren möchte, steht vor einigen Fragen: Gold oder Silber? Jetzt kaufen oder lieber abwarten? Und sind Münzen und Barren tatsächlich die beste Wahl? Wir haben mit unserem Rohstoffanalysten darüber gesprochen, wo die beiden Edelmetalle derzeit stehen, welche Chancen und Risiken sie bieten und worauf es beim ersten Investment wirklich ankommt.
Gold: Ist der Höhepunkt bereits überschritten?
Wer in den vergangenen Monaten auf Gold gesetzt hat, brauchte mitunter starke Nerven. Nach einer bemerkenswerten Rally erreichte das Edelmetall im Februar seinen vorläufigen Höhepunkt, bevor die Kurse wieder nachgaben. Was für manche Anleger bereits nach einer günstigen Kaufgelegenheit aussehen mag, bewertet unser Rohstoffanalyst allerdings deutlich zurückhaltender. Seiner charttechnischen Einschätzung zufolge dürfte die Korrektur noch nicht abgeschlossen sein. „Das Hoch haben wir im Februar bereits gesehen. Jetzt warten wir auf ein Tief“, erklärt der Experte. Zwar habe sich Gold bislang widerstandsfähiger gezeigt als Silber, doch auch hier rechnet er mit weiteren Kursverlusten.

Im Gold-Wochenchart rechnet unser Rohstoffanalyst übergeordnet mit weiteren Kursrückgängen.
Besonders aufmerksam beobachtet er dabei die Marke von 3901 US-Dollar. Sollte Gold darunter fallen, könnte die Abwärtsbewegung seiner Einschätzung nach erheblich an Dynamik gewinnen. Hinzu kommt, dass wichtige technische Indikatoren auf höheren Zeitebenen bereits Schwächesignale liefern. Ähnliche Konstellationen gingen in der Vergangenheit teilweise längeren Korrekturphasen voraus. Ganz ausgeschlossen sind zwischenzeitliche Erholungen allerdings nicht. Kurzfristig hält unser Analyst einen Anstieg in Richtung 4.849 US-Dollar durchaus für möglich. Eine solche Bewegung wäre für ihn jedoch noch kein Beleg für eine nachhaltige Trendwende. „Ich würde sowohl zeitlich als auch preislich noch etwas Geduld mitbringen“, lautet deshalb seine Einschätzung für Anleger, die einen langfristigen Einstieg planen.
Silber: Warum die kleine Schwester des Goldes stärker unter Druck steht
Auch Silber hat eine turbulente Entwicklung hinter sich. Wie Gold erreichte das Edelmetall im Februar einen vorläufigen Höhepunkt, geriet anschließend jedoch deutlich stärker unter Verkaufsdruck. Das überrascht unseren Rohstoffanalysten wenig. Denn Silber reagiert aufgrund seiner höheren Volatilität häufig wesentlich empfindlicher auf Veränderungen am Rohstoffmarkt. Während Gold zuletzt zumindest Ansätze einer Stabilisierung erkennen ließ, zeigt sich bei Silber weiterhin ein klarer Abwärtstrend. Im Chart lässt sich dieser an einer Folge immer tieferer Hoch- und Tiefpunkte erkennen. „Bei Silber sehen wir aktuell einen kontinuierlichen Abwärtstrend, ohne jegliche Stärke“, erklärt er.

Unser Silber-Wochenchart zeigt, dass der Futures-Kurs die Unterstützungslinie bei $55 inzwischen unterschritten hat.
Dennoch könnte das Edelmetall zwischenzeitlich wieder Boden gutmachen. Eine kurzfristige Erholung bis in den Bereich knapp über 90 US-Dollar hält unser Analyst für denkbar. Für einen langfristigen Einstieg blickt er allerdings auf deutlich niedrigere Kursniveaus. Besonders interessant erscheint ihm derzeit der Bereich unter der 55 US-Dollar-Marke. Dort könnte sich seiner Einschätzung nach eine Gelegenheit ergeben, erste Positionen aufzubauen. Eine zusätzliche Orientierung bieten ihm dabei die Förderkosten des Edelmetalls. Denn langfristig bewegen sich Rohstoffpreise häufig in einem gewissen Verhältnis zu ihren Produktionskosten. Allerdings stellen diese keinen festen Preisboden dar. Ob und wann Silber tatsächlich wieder attraktiv wird, hängt deshalb nicht allein vom Kursniveau ab, sondern auch davon, ob sich die charttechnische Lage stabilisiert.
Warum der US-Dollar für Goldanleger so wichtig ist
Ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der Edelmetalle ist der US-Dollar. Gold und Silber werden international überwiegend in der amerikanischen Währung gehandelt. Steigt deren Wert, geraten die Rohstoffpreise häufig unter Druck. Denn für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuern sich die Metalle dadurch. Der Zusammenhang ist zwar nicht immer eindeutig, spielt nach Einschätzung unseres Analysten derzeit aber eine besonders wichtige Rolle. „Jedes Mal, wenn wir eine deutliche Dollarstärke sehen, gehören Rohstoffe zu den Anlagen, die besonders darunter leiden“, erklärt er.
Genau darin sieht er momentan eines der größten Risiken. Seine Chartanalyse deutet darauf hin, dass der US-Dollar einen Boden ausgebildet haben könnte und vor einer erneuten Aufwärtsbewegung steht. Sollte sich diese beschleunigen, könnte auch der Verkaufsdruck bei Gold und Silber zunehmen. Für zusätzliche Bewegung könnte bereits die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve am 28. Oktober sorgen. Dabei dürfte weniger die Entscheidung selbst als vielmehr der Ausblick auf die weitere Zinspolitik entscheidend sein. Signale für längerfristig hohe Zinsen könnten den Dollar stärken und die Edelmetalle zusätzlich belasten. Hinweise auf eine lockerere Geldpolitik könnten dagegen für Entlastung sorgen.
Gold oder Silber: Welches Edelmetall eignet sich für Einsteiger?
Womit fängt man an: Gold oder Silber? Beide gelten als wertbeständige Rohstoffe, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Kursentwicklung jedoch erheblich. Silber reagiert häufig deutlich stärker auf Marktbewegungen. Steigt Gold, kann Silber überproportional profitieren. Fallen die Kurse, sind allerdings auch die Verluste häufig größer. Unser Analyst bringt diesen Unterschied auf eine einfache Formel: „Silber kann man gewissermaßen als Hebel auf Gold betrachten. Alles, was Gold macht, macht Silber ungefähr mal zwei.“ Dabei handelt es sich um eine vereinfachte Beschreibung der höheren Schwankungsanfälligkeit, nicht um eine feste Regel.
Für Börsenneulinge empfiehlt er deshalb eindeutig Gold, weil die geringeren Kursschwankungen den Einstieg deutlich erleichtern können. „Gerade als Anfänger ist Gold angenehmer, weil die geringere Volatilität weniger an den Emotionen nagt“, erklärt er. Wer noch keine Erfahrung mit den Finanzmärkten gesammelt hat, könne sich so in einem vergleichsweise ruhigeren Umfeld mit Kursbewegungen, Marktzyklen und den eigenen Reaktionen darauf vertraut machen.
Jetzt kaufen oder lieber warten?
Angenommen, Sie haben Geld zur Seite gelegt und möchten diese erstmals in Edelmetalle investieren. Wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um zuzuschlagen? Unser Analyst rät zur Zurückhaltung: „Ich würde sowohl zeitlich als auch preislich noch etwas Geduld mitbringen.“ Statt die gesamte Summe auf einmal zu investieren, empfiehlt sich aus seiner Sicht, zunächst günstigere Kursniveaus abzuwarten und anschließend mit gestaffelten Kaufaufträgen einzusteigen. So lässt sich das Risiko verringern, das gesamte Kapital unmittelbar vor einem weiteren Kursrückgang einzusetzen.
Physisches Gold oder Wertpapiere: Was ist die bessere Wahl?
Ist die Entscheidung für Gold gefallen, stellt sich die nächste Frage: Soll man tatsächlich einen Goldbarren kaufen oder lieber über die Börse investieren? Die Antwort hängt nach Einschätzung unseres Analysten vor allem davon ab, welches Ziel Sie als Anleger verfolgen. Wer Gold als langfristige Rücklage besitzen möchte, könnte mit physischem Gold besser beraten sein. Wer dagegen vor allem auf Kursveränderungen spekuliert und flexibel kaufen oder verkaufen möchte, findet in börsengehandelten Produkten häufig die praktischere Alternative. „Wenn es dir um Sicherheit und eine langfristige Rücklage geht, würde ich physisches Gold wählen. Geht es dagegen um Kaufen, Verkaufen und Gewinne, würde ich zu Papierprodukten greifen.“
Der entscheidende Unterschied liegt unter anderem in der Handelbarkeit. Ein Gold-ETC lässt sich während der Börsenzeiten in der Regel unkompliziert über ein Wertpapierdepot kaufen und verkaufen. Wer dagegen einen Goldbarren besitzt, muss zunächst einen Käufer finden. Hinzu kommt, dass Händler beim Ankauf meist weniger bezahlen als beim Verkauf vergleichbarer Ware. Diese Differenz, der sogenannte Spread, kann insbesondere bei kleineren Goldmengen erheblich ins Gewicht fallen. Dafür besitzt man bei physischem Gold das Edelmetall unmittelbar, während bei börsengehandelten Produkten zusätzlich die jeweilige rechtliche Konstruktion und mögliche Emittentenrisiken berücksichtigt werden müssen.
Welche Steuern fallen beim Kauf und Verkauf an?
Auch steuerlich gibt es Unterschiede zwischen physischem Gold, Silber und börsengehandelten Produkten. In Deutschland ist der Kauf von Anlagegold unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen von der Umsatzsteuer befreit. Beim Erwerb von physischem Silber fällt dagegen grundsätzlich Umsatzsteuer an, wobei je nach Produkt und Verkaufsmodell Besonderheiten gelten können. Für Anleger kann das einen erheblichen Unterschied machen, weil die Steuerbelastung die tatsächlich erzielbare Rendite beeinflusst.

Unsere Grafik zeigt anhand zweier Beispiele, wie sich unterschiedliche Steuerregelungen beim Kauf und Verkauf von Edelmetallen auf die Rendite auswirken können.
Beim späteren Verkauf kommt es unter anderem auf die Haltedauer an. Gewinne aus dem privaten Verkauf physischen Goldes können nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr grundsätzlich einkommensteuerfrei sein. Bei bestimmten goldgedeckten Wertpapieren kann unter entsprechenden Voraussetzungen eine vergleichbare Behandlung gelten. Andere börsengehandelte Produkte unterliegen dagegen der Kapitalertragsteuer. Wer investieren möchte, sollte sich deshalb vorab informieren, welche Regelungen für das konkret ausgewählte Produkt gelten. Denn nicht jede Anlage, die den Goldpreis abbildet, wird steuerlich gleich behandelt.
Wie sicher ist Gold wirklich?
Gold gilt als Krisenwährung, als Inflationsschutz und als verlässlicher Wertspeicher. Doch diese Eigenschaften verleiten Anleger mitunter zu einer gefährlichen Annahme: dass man mit Gold eigentlich kein Geld verlieren könne. Unser Rohstoffanalyst warnt ausdrücklich vor diesem Trugschluss. Auch Edelmetalle unterliegen den Gesetzen des Marktes. Ihre Preise können steigen, stagnieren oder über längere Zeiträume erheblich fallen. Historisch haben sowohl Gold als auch Silber bereits ausgeprägte Korrekturen erlebt. Besonders Silber kann aufgrund seiner höheren Volatilität zwischenzeitlich massive Wertverluste verzeichnen.
„Nur weil Gold und Silber eben Gold und Silber sind, bedeutet das nicht, dass Verluste ausgeschlossen sind.“ Gerade Einsteiger sollten sich deshalb vor dem Kauf fragen, wie sie reagieren würden, wenn ihre Anlage plötzlich 20 oder 30 Prozent an Wert verliert. Wer bei solchen Schwankungen nervös wird und vorschnell verkauft, läuft Gefahr, ausgerechnet in einer Schwächephase Verluste zu realisieren. Entscheidend ist daher nicht nur die Wahl des richtigen Edelmetalls, sondern auch ein Anlagehorizont, der zu den eigenen finanziellen Möglichkeiten und zur persönlichen Risikobereitschaft passt.
Was würde unser Analyst einem Anfänger heute raten?
Wer zum ersten Mal in Edelmetalle investieren möchte, muss nicht zwangsläufig den perfekten Einstiegszeitpunkt erwischen. Viel wichtiger ist es, die eigene Strategie zu kennen. Geht es darum, kurzfristig von steigenden Kursen zu profitieren? Oder soll Gold als langfristige Rücklage dienen, die über viele Jahre unangetastet bleibt? Für unseren Analysten macht diese Unterscheidung einen wesentlichen Unterschied. Wer kurzfristig handeln möchte, sollte die aktuellen Marktrisiken besonders ernst nehmen. Wer dagegen eine langfristige Absicherung sucht, könnte physisches Gold in Betracht ziehen, sollte sich aber auch dann der möglichen Wertschwankungen bewusst sein.
Sein persönlicher Rat an besonders vorsichtige Anleger fällt entsprechend schlicht aus: „Physische Goldbarren kaufen und nicht ständig auf den Kurs schauen.“ Gemeint ist damit eine langfristige Strategie, bei der nicht jede kurzfristige Marktbewegung zum Handeln verleitet. Allerdings setzt auch dieser Ansatz voraus, dass das investierte Geld nicht kurzfristig benötigt wird. Und wer aktuell über einen Einstieg nachdenkt, sollte nach Einschätzung unseres Analysten ohnehin noch etwas Geduld mitbringen. Denn selbst ein sicherer Hafen kann teuer werden, wenn man ihn zum falschen Zeitpunkt ansteuert.



