Gold und Silber vor der Wende – Korrektur bald vorbei?
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Gold und Silber vor der Wende – Korrektur bald vorbei?

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Nikolai Heger

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gold rutschte am Donnerstag erstmals seit Juni wieder unter 4000 US-Dollar
  • Zentralbanken kaufen 2026 voraussichtlich rund 850 Tonnen Gold
  • Der Silbermarkt steuert auf das sechste Defizitjahr in Folge zu

 

Seit dem Rekordhoch bei 5598 US-Dollar Ende Januar hat Gold fast ein Drittel seines Werts verloren. Am Donnerstag rutschte die Feinunze erstmals seit Juni unter 4000 US-Dollar, Silber notierte bei 57.3 US-Dollar. Trotzdem mehren sich jüngst die Hinweise auf eine mögliche Bodenbildung.

Die Notenbanken kaufen unbeirrt weiter, der Silbermarkt bleibt physisch knapp, und Asien nimmt auf, was der Westen abstößt. Dagegen stehen steigende Anleiherenditen, eine restriktive Fed (US_Zentralbank) und Milliardenabflüsse aus ETFs. Die Korrektur trägt eher die Handschrift einer Bereinigung als die eines Bärenmarkts. Entscheidend ist, welche Kräfte den Sommer über die Oberhand behalten.

Zentralbanken und Asien bilden das Fundament unter dem Goldpreis

Die Notenbanken sind die geduldigste Käuferschicht dieses Marktes. Im ersten Quartal 2026 erwarben sie netto 244 Tonnen Gold und lagen damit über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Für das Gesamtjahr rechnet der World Gold Council (globale Interessenvertretung und der Branchenverband der Goldbergbauindustrie) mit rund 850 Tonnen, praktisch so viel wie im Vorjahr. Die chinesische Notenbank stockte im Juni um 14.9 Tonnen auf, den 20. Monat in Folge.


Stützen und Belastungen für Gold und Silber im Sommer 2026Stützen und Belastungen für Gold und Silber im Sommer 2026


Der Grund ist strategisch, nicht taktisch. 74 Prozent der befragten Zentralbanken rechnen damit, dass der Dollar-Anteil an den Währungsreserven binnen fünf Jahren sinkt. Allein bis Mai importierte China 692 Tonnen nicht-monetäres Gold. Ähnlich verläuft die Trennlinie bei den Anlegern. Im ersten Halbjahr flossen rund zwölf Milliarden US-Dollar in asiatische Gold-ETFs, während Nordamerika 7.7 Milliarden US-Dollar verlor.

Silber bleibt physisch knapp, obwohl die Solarbranche kräftig spart

Silber hat sich seit dem Januar-Hoch bei rund 118 US-Dollar mehr als halbiert. Fundamental hat sich der Markt jedoch nicht entspannt. Das Silver Institute, ein führender Branchenverband der Silberindustrie, erwartet 2026 das sechste Defizitjahr in Folge, mit 46.3 Millionen Unzen sogar ein größeres als 2025. Die COMEX-Lager schrumpften von 531 auf rund 315 Millionen Unzen.

Bemerkenswert ist, warum die Lücke trotz schwacher Industrienachfrage wächst. Die Photovoltaik senkt ihren Silbereinsatz 2026 um 19 Prozent auf etwa 151 Millionen Unzen. Das Angebot schrumpft trotzdem schneller. Rund 70 Prozent des Silbers fallen als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Blei und Zink an. Steigende Preise erhöhen die Fördermenge deshalb kaum.

Hohe Realzinsen und ETF-Abflüsse belasten die Metalle kurzfristig

Kurzfristig regiert die Geldpolitik. Die Protokolle der Juni-Sitzung strichen jeden Hinweis auf eine baldige Zinssenkung. Das CME FedWatch Tool preist eine Erhöhung im September mit rund 67 Prozent ein. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4.58 Prozent. Für ein zinsloses Metall sind das die höchsten Opportunitätskosten seit Jahren.

Die Folge zeigt sich in den Beständen. Im Juni flossen 8.9 Milliarden US-Dollar aus goldbesicherten ETFs ab, die Bestände sanken um 74 auf 4047 Tonnen. „Die Aufmerksamkeit der Anleger liegt derzeit ganz klar anderswo“, sagt Adrian Ash, Research-Chef der Online-Handelsplattform BullionVault. Gleichzeitig treibt die Eskalation im Nahen Osten den Ölpreis und damit die Inflationssorgen.


Gold nach dem Januar-Hoch, mit höherem Tief bei 4021 US-DollarGold nach dem Januar-Hoch, mit höherem Tief bei 4021 US-Dollar


Charttechnisch bleibt die Lage zweischneidig. Auf das Tief vom 30. Juni bei 3942 US-Dollar folgte ein höheres Tief bei 4021 US-Dollar.

Unsere Analyse gibt den Edelmetallen vor der Wende allerdings noch etwas Raum nach unten. Nach der Elliott-Wellen-Theorie fehlt der Korrektur seit dem Januar-Hoch die finale Abwärtswelle. Erst danach rechnen wir mit einer belastbaren Bodenbildung und einer anschließenden Trendwende. Wer die konkreten Marken sucht, findet die vollständige Wellenzählung in unseren Goldund Silber-Paketen.

Warum das Chancen-Risiko-Verhältnis für Geduldige besser aussieht

Die schwache Hand verkauft, die starke sammelt ein. Genau dieses Muster zeichnen die Kapitalströme von West nach Ost. Wie wenig der Markt weiß, zeigt die Spannbreite der Prognosen.Einige Analysten erwarten für Silber im Schnitt 79.6 US-Dollar, nennen aber eine Handelsspanne von 42 bis 165 US-Dollar.

Wer auf die Rückkehr der ETF-Käufer wartet, verpasst womöglich den Boden, erhöht aber auch sein Risiko, denn ETF-Flüsse folgen dem Preis, sie führen ihn nicht. Fällt Gold dagegen deutlicher unter die Marke von 4000 US-Dollar, wird aus der Bereinigung ein Trendbruch.

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