Gute Zahlen, böser Absturz? Was unser Analyst bei Nvidia erwartet
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Gute Zahlen, böser Absturz? Was unser Analyst bei Nvidia erwartet

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Arcan Askin

Das Wichtigste in Kürze

  • Gute Zahlen garantieren keine Kursgewinne.

  • Earnings können bestehende Bewegungen beschleunigen.

  • Nvidia bleibt für unseren Analysten ein Korrekturszenario.

Microsoft übertrifft die Erwartungen – und die Aktie verliert am nächsten Handelstag trotzdem rund zehn Prozent. Was nach einem Widerspruch klingt, passierte Ende Januar. Wenige Monate später folgte auf einen weiteren starken Quartalsbericht desselben Unternehmens ein Kurssprung von rund 15.5 Prozent. Für Anleger stellt sich damit eine unangenehme Frage: Wie viel Sicherheit bieten gute Zahlen eigentlich, wenn die Börse so unterschiedlich darauf reagiert?

Unser Analyst hat die jüngsten Berichte von Microsoft und Apple mit ihren Kursverläufen verglichen. Ihn interessiert besonders, welche Bewegung schon vor der Veröffentlichung erkennbar war und was die Zahlen daran tatsächlich veränderten. Mit Nvidias nächstem Quartalsbericht am 17. November bekommt diese Frage einen konkreten Anlass: Können starke Geschäftsergebnisse eine erwartete Korrektur stoppen?

Bei Nvidias Zahlen hält die Börse inzwischen sinnbildlich den Atem an. Schon beim letzten Bericht am 26. August ging es um die Frage, ob die enorme Nachfrage nach KI-Rechenleistung anhält. Am Folgetag gewann Nvidia 8.7 Prozent; auch die großen US-Indizes legten zu. Der Chipkonzern ist ein wichtiger Gradmesser für den gesamten KI-Trade. Gerade in der inzwischen angespannten Tech-Phase wiegen seine Signale besonders schwer. Warum die Konzentration auf wenige KI-Schwergewichte den Markt verwundbar macht, erklärt Philip Klinkmüller auch in unserer neuesten Wellenlage.

Microsoft: Vier Berichte, vier Reaktionen

Die aktuelle Berichtssaison liefert dafür reichlich Anschauungsmaterial. Meta rutschte trotz übertroffener Umsatzerwartungen ab, weil hohe KI-Ausgaben die Anleger beschäftigten. Bei Google reichte ein starkes Cloud-Geschäft nicht, um Enttäuschungen bei Suche und Gesamtergebnis auszugleichen. Intel übertraf die bereinigten Gewinnerwartungen, verlor nach einem schwachen Ausblick am 30. Oktober dennoch 29 Prozent. Auch Amazon gab trotz starker AWS-Zahlen nach; der Ausblick und hohe Mittelabflüsse belasteten. Einen positiven Kontrast bot der vergleichsweise kleinere Serverhersteller Super Micro Computer: Nach übertroffenen Umsatz- und Gewinnerwartungen sprang die Aktie am 3. November nachbörslich um mehr als neun Prozent. Gute Einzelwerte allein erklären die Richtung einer Kursreaktion also nicht.

Der Januar-Abverkauf war kein Einzelfall. Auch nach den Microsoft-Zahlen vom 29. April fiel die Aktie: Am nächsten regulären US-Handelstag betrug das Minus knapp vier Prozent. Unser Analyst beschreibt die anschließende Entwicklung als eher seitwärtsgerichtet. Die Zahlen lösten aus seiner Sicht somit keinen neuen, dauerhaften Trend aus.

Im Juli war das Bild umgekehrt. Nach dem Bericht vom 29. Juli stieg Microsoft am Folgetag um rund 15.5 Prozent. Am 28. Oktober übertraf der Konzern erneut die Erwartungen. Die Aktie legte nachbörslich zunächst zu, notierte am nächsten regulären Handelstag jedoch weitgehend unverändert. Die Reaktion hing offenbar von mehr ab als dem rückblickenden Urteil über Umsatz und Gewinn.

Für unseren Analysten ist entscheidend, wie diese Bewegungen in seine Elliott-Wellen-Analyse passten. Bei der letzten größeren Abwärtsbewegung befand sich Microsoft nach seiner Darstellung bereits vor dem betreffenden Bericht im Rückgang. Eine bärische Alternative, also das Szenario tieferer Kurse, stand kurz vor ihrer Aktivierung. Die Zahlen hätten diese Entwicklung beschleunigt und schneller bestätigt. Im Oktober sei lediglich die kurzfristigere Wellenzählung angepasst worden; die übergeordnete Einschätzung blieb bestehen.

„Es war also nicht so, dass plötzlich unsere gesamte Wellenzählung invalidiert wurde.“ 

Damit beschreibt er seine Einordnung der beobachteten Fälle. Eine Garantie, dass jede künftige Überraschung in ein bestehendes Chartbild passt, lässt sich daraus nicht ableiten.

Apple: Wachstum schützt nicht vor einer Korrektur

Bei Apple zeigt sich derselbe Unterschied zwischen Geschäftsentwicklung und Börsenreaktion. Nach den Zahlen vom 30. April legte die Aktie am folgenden Handelstag um gut drei Prozent zu. Für unseren Analysten fügte sich das in einen bereits bestehenden Aufwärtspfad ein. Ende Juli meldete Apple dagegen 16 Prozent Umsatzwachstum, enttäuschte jedoch mit dem Ausblick. Am 31. Juli verlor die Aktie rund 7.4 Prozent; bis zum nächsten Handelsschluss am 3. August summierte sich das Minus auf rund neun Prozent.

Auch der jüngste Bericht vom 2. November brachte keine geradlinige Reaktion. Apple steigerte den Umsatz um zwölf Prozent, doch der Margenausblick enttäuschte. Am Dienstag sank die Aktie um rund 1.9 Prozent, am Mittwoch erholte sie sich um rund 5.3 Prozent. Diese Gegenbewegung fiel zugleich in den breiteren Marktanstieg nach den US-Zwischenwahlen. Sie allein den Unternehmenszahlen zuzuschreiben, wäre deshalb zu kurz gegriffen.

Unser Analyst hatte nach eigener Darstellung schon vor den Juli-Zahlen eine größere Korrektur nach Abschluss der übergeordneten Welle (I) im Blick. Gemeint ist ein größerer Aufwärtsabschnitt innerhalb seiner technischen Zählung. Den exakten Wendepunkt habe er allerdings nicht vorhergesagt. „Den Wendepunkt haben wir nicht punktgenau prognostiziert“, betont er. Erst mit dem einsetzenden Abverkauf sei das Hoch entsprechend eingeordnet worden. Detaillierte Analysen und Updates erhalten unsere Abonnenten derweil hier.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Eine erwartete Korrektur und ein exakt vorhergesagter Hochpunkt sind zwei verschiedene Aussagen. Für unseren Analysten bestätigte die Bewegung seine vorsichtigere Lesart, ohne die langfristigen Kursziele wesentlich zu verändern.

Was Earnings an einer Wellenanalyse verändern

Die Elliott-Wellen-Analyse ordnet Trends und Korrekturen auf verschiedenen Zeitebenen ein. Ein kurzfristiger Kursrückgang kann dabei innerhalb einer größeren Aufwärtsbewegung liegen. Ebenso kann ein kräftiger Anstieg nur eine Gegenbewegung in einem übergeordneten Abwärtstrend sein. Unser Analyst prüft deshalb nach einem Bericht, welche Ebene sich verändert hat.

„Für unsere EW-Analysen spielen die Quartalszahlen eher eine untergeordnete Rolle.“ 

 

Untergeordnet bedeutet in seiner Methodik keineswegs wirkungslos. Earnings können erhebliche kurzfristige Schwankungen auslösen, bestehende Bewegungen beschleunigen oder einzelne Wellen ausdehnen. Eine Aufwärtswelle kann höher reichen, eine Korrektur tiefer ausfallen als zunächst angenommen. Dann muss die kurzfristigere Zählung angepasst werden, während das größere Szenario weiter Bestand haben kann.

Für Anleger erklärt das, warum ein überraschender Tagesverlust nicht automatisch jede langfristige Einschätzung widerlegt. Es bedeutet aber ebenso wenig, dass ein einmal gesetztes Ziel gegen jeden Kursverlauf verteidigt werden sollte. Ob die Bewegung noch zum Szenario passt, muss an der tatsächlichen Chartstruktur überprüft werden. Gute rückblickende Zahlen allein beantworten diese Frage nicht; auch der Ausblick und die bereits eingepreisten Erwartungen zählen.

Nvidia: 170 US-Dollar sind nur eine Zwischenstation

Nvidia veröffentlicht am 17. November die Ergebnisse des dritten Quartals im Geschäftsjahr 2027. Die Telefonkonferenz beginnt um 23:00 Uhr deutscher Zeit. Der Konzern hatte zuletzt rund 108 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz erwartet, mit einer Abweichungsspanne von zwei Prozent. Das ist die Unternehmensprognose, kein bereits erzielter Umsatz.

Unser Analyst bleibt vor diesem Termin übergeordnet bärisch und erwartet eine größere Korrektur. Kurzfristig rechnet er zunächst mit weiteren Rückgängen in Richtung 170 US-Dollar, anschließend einer Gegenbewegung und danach erneuten Abgaben. Zum Vergleich: Am 5. November schloss Nvidia nach einem Tagesverlust von rund 9.3 Prozent bei 181.60 US-Dollar. Damit ist die Aktie dem genannten Zwischenziel von 170 US-Dollar bereits deutlich näher gekommen. Der Rückgang fiel in einen breiten KI-Ausverkauf und erfolgte vor Nvidias nächsten Quartalszahlen.

„Die 170 US-Dollar sind dabei lediglich ein Zwischenziel, übergeordnet erwarten wir deutlich tiefere Kurse.“ 

Die Zahlen könnten seiner Einschätzung nach den erwarteten Rückgang beschleunigen. Er hält aber auch einen anderen kurzfristigen Ablauf für möglich: Falls die erste Abwärtswelle bereits abgeschlossen ist, könnte Nvidia zunächst in die erwartete Gegenbewegung übergehen. Ein Anstieg nach dem Bericht wäre in diesem Szenario noch kein Beleg für eine dauerhafte Trendwende.

Damit kehrt der Blick zu Microsoft und Apple zurück. Entscheidend ist für unseren Analysten, welche Bewegung ein Bericht verstärkt und wie sie sich in das größere Bild einfügt. „Unsere übergeordneten Szenarien und Kursziele bleiben davon aber meistens unberührt“, lautet seine Erfahrung. Das Wort meistens lässt Raum für Veränderungen. Auch bei Nvidia muss sich die Einschätzung am weiteren Kursverlauf bewähren – unabhängig davon, wie überzeugend die Schlagzeilen zu den Zahlen ausfallen.

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Arcan Askin

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