Das Wichtigste in Kürze:
Hohe Dieselpreise verschärfen den Inflationsdruck auf die US-Wirtschaft.
Ein starker Dollar und steigende Renditen verteuern weltweit das Kapital.
Rekordhohe Hypothekenzinsen belasten zusätzlich US-Konsum und Immobilienmarkt.
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Während die Aktienmärkte boomen, steckt die US-Wirtschaft in einem gefährlichen Zwiespalt. Historischer Preisdruck aus dem Energiesektor, ein immer stärkerer Dollar bei steigenden Anleiherenditen und wachsende Finanzierungsschwierigkeiten im Immobiliensektor lasten auf der Konjunktur. Verstärkt sich diese toxische Spirale, könnte es für Aktien und Kryptowährungen ungemütlich werden. Die zentrale Rolle spielen dabei vier Charts, deren steile Anstiege einem Warnsignal gleichkommen.
Diesel-Crackspread explodiert: Treibstoff für die Inflation
Die Inflation in den USA bleibt hartnäckig. Die von der Federal Reserve bevorzugte PCE-Inflation lag im August bei 3.4 Prozent, die Kernrate bei 3.0 Prozent und damit weiterhin über dem Fed-Ziel von zwei Prozent, auf das der neue Fed-Chef Kevin Warsh zuletzt wieder stärker pochte. Für die Notenbank wird es dadurch schwieriger, die Zinsen schnell zu senken. Befeuert wird die Inflation vor allem aus dem Energiesektor – allerdings spielt der zuletzt abgekühlte Ölpreis dabei schon länger nicht mehr die Hauptrolle.
Der Diesel-Crackspread notiert so hoch wie nie in den letzten zehn Jahren. Die Folge: Angst vor weiterer Teuerung und Stagflation.
Besonders problematisch ist die Entwicklung bei Diesel. Der US-Erzeugerpreisindex stieg im August um 5.4 Prozent zum Vorjahr, während Diesel deutlich teurer wurde. Das ist für die Wirtschaft wichtig, weil der Kraftstoff nicht nur an der Tankstelle gebraucht wird. Lastwagen, Landwirtschaft, Bau und Industrie sind auf Diesel angewiesen. Steigen die Preise, verteuert sich damit der Transport von Waren und letztlich auch deren Produktion. Dadurch entsteht Teuerung, die an den Konsumenten weitergegeben wird und damit in die breite Wirtschaft fließt.
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Deutlich zeigt sich der Druck beim Diesel-Crackspread. Er beschreibt vereinfacht die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und dem Verkaufspreis von raffiniertem Diesel. Im Vergleich zum ohnehin hohen Ölpreis ist Diesel also gerade besonders teuer. In Phasen wachsender Konjunktur kann das ein gutes Zeichen für steigende Nachfrage der Industrie sein. Aktuell schürt der hohe Dieselpreis aber vor allem Angst vor Stagflation, weil er die Erholung der US-Wirtschaft drosseln und die Inflation befeuern könnte.
Der starke Dollar wird zum Gegenwind für Aktien und Bitcoin
Der Druck auf Risiko-Anlagen steigt nicht nur an der Inflations-, sondern auch an der Währungsfront: Der Dollar-Index DXY stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit April 2025 und erreichte gegenüber dem Euro ein 17-Monats-Hoch. Im dritten Quartal verzeichnete der Dollar gegenüber einem breiten Währungskorb sogar das sechste Quartal in Folge mit Kursgewinnen. Eine solche Entwicklung gab es zuletzt während des starken Zinsanstiegs im Jahr 2022.
Der US-Dollar-Index DXY ist auf den höchsten Stand seit 18 Monaten gestiegen. Unter hoher Inflation und dem teuren Dollar leiden große US-(Tech-) Unternehmen ebenso wie Aktien und Kryptowährungen.
Ein starker Dollar ist traditionell ein Belastungsfaktor für die US-Wirtschaft, weil eine starke eigene Währung die Attraktivität für ausländische Investoren und gleichzeitig auch die Umsätze eigener Unternehmen im Ausland schmälert. Besonders problematisch ist das für Tech-Riesen, die einen erheblichen Teil ihrer Geschäfte außerhalb der USA machen (und zuletzt die Rallye im US-Aktienmarkt deutlich anführten).
Für Aktien und Bitcoin ist das potenziell ein zusätzlicher Gegenwind. Wenn Anlagen in Dollar und US-Anleihen attraktiver werden, kann Kapital aus riskanteren Märkten abgezogen werden. Ein steigender DXY bedeutet zwar nicht automatisch fallende Kurse, verschlechtert aber die Bedingungen für Risikoanlagen. Dass der Dollar gerade so gefragt ist, hängt auch an den Anleiherenditen, die so hoch sind wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr – ein weiterer Belastungsfaktor für die Börse.
US-Anleiherenditen schießen auf 19-Jahres-Hochs
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte in den letzten Tagen zeitweise auf 5.35 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Anfang der 2000er. Auch die Rendite 30-jähriger US-Anleihen stieg über 5.7 Prozent. Für die Wirtschaft wird das teuer. Wenn Anleger für zehnjährige US-Staatsanleihen mehr als fünf Prozent Rendite verlangen, steigen auch die Finanzierungskosten an vielen anderen Stellen. Unternehmen müssen für Kredite und neue Anleihen mehr bezahlen. Investitionen können dadurch weniger attraktiv werden.
19-Jahreshoch für die 10-jährigen US-Anleihen. Wenn der Markt so hohe Rendite mit wenig Risiko verspricht, hat das Auswirkungen auf die Attraktivität von Aktien und Kryptowährungen.
Gleichzeitig werden Aktien gegenüber sicheren Staatsanleihen weniger interessant, wenn Anleger mit deutlich weniger Risiko eine hohe Verzinsung erzielen können. Bemerkenswert ist, dass die langfristigen Renditen steigen, obwohl die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der Fed zuletzt gesunken sind. Dahinter stehen unter anderem höhere Inflationserwartungen, steigende Energiepreise und Sorgen über die staatliche Verschuldung.
Für Aktien und Kryptowährungen wächst damit die direkte Konkurrenz: Wer in sicheren Anleihen mehr als fünf Prozent Rendite bekommt, überlegt sich zweimal, ob er sein Geld in riskantere Assets stecken soll, die von der makroökonomischen Unsicherheit zusätzlich destabilisiert werden könnten. Das gilt vor allem für Anleger mit großem Kapital, die konstante und sichere Rendite suchen. Doch auch bei Kleinanlegern droht die Kaufkraft am Aktienmarkt zu schwinden. Das liegt nicht nur an der Inflation, die Lebenshaltungskosten steigert, sondern auch am Hypothekenmarkt.
Die Mortgage-Rallye schockt den US-Immobilienmarkt
Wie stark der Zinsanstieg inzwischen bei den Verbrauchern ankommt, zeigt der vierte Chart. Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige US-Festhypothek (eine der häufigsten Finanzierungsformen für privaten Hauskauf) stieg auf 7.28 Prozent. Damit liegt er so hoch wie seit 24 Jahren nicht mehr (mit Ausnahme eines kurzen Ausschlags 2023). Gleichzeitig war es bereits die sechste Woche in Folge mit steigenden Hypothekenzinsen. Für Immobilienkäufer wird die Finanzierung damit spürbar teurer.
Hohe Hypothekenzinsen (die populäre 30-jährige Mortgage-Rate nähert sich dem höchsten Stand seit 24 Jahren) belasten den Immobiliensektor und die Kaufkraft der breiten Masse.
Bei einem Kredit über 400 000 Dollar bedeutet der Anstieg seit dem Tiefpunkt Ende Februar laut Associated Press rund 276 Dollar zusätzliche monatliche Belastung. Viele Haushalte verschieben deshalb den Immobilienkauf. Die Zahl der Hypothekenanträge fiel zuletzt um sechs Prozent. Auch die Verkäufe bestehender Häuser gingen zurück. Hohe Zinsen bremsen damit einen ohnehin schwachen Immobilienmarkt weiter aus.
Das Problem reicht allerdings über den Immobiliensektor hinaus. Wer mehr Geld für die Finanzierung seines Hauses ausgeben muss, hat weniger für Konsum und andere Ausgaben übrig. Gleichzeitig verteuern hohe Zinsen auch Kredite für Unternehmen. Die Hypothekenzinsen folgen dabei eng den langfristigen US-Anleiherenditen. Der aktuelle Anstieg zeigt deshalb, wie die Entwicklungen am Anleihemarkt zunehmend in der realen Wirtschaft ankommen.
Vier Charts, ein gemeinsames Warnsignal
Alle vier Entwicklungen wirken in dieselbe Richtung. Teurer Diesel droht den Inflationsdruck zu verstärken. Der starke Dollar drückt von der anderen Seite her. Gleichzeitig verteuern die steigenden Anleiherenditen Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Sprunghaft steigende Hypothekenzinsen zeigen bereits, wie dieser Zinsdruck breiten Markt erreicht. Für Aktien und Bitcoin entsteht damit ein schwierigeres Umfeld. Höhere Kosten drücken auf Unternehmensgewinne, teureres Kapital belastet Investitionen und ein attraktiver Dollar kann Geld aus Risikoanlagen abziehen.
Teurer Kraftstoff, ein starker Dollar, hohe Anleiherenditen und steigende Hypothekenzinsen erhöhen den Druck auf Wirtschaft und Konsumenten. Hält die konjunkturelle Erholung in den USA stand?
Und dennoch bleiben die Börsen robust: Der S&P 500 notiert, kaum verändert zum Wochenstart, am Dienstagmorgen bei 7773 Punkten. Der Nasdaq-100 erreichte gestern bei gut 31 400 Punkten ein neues Allzeithoch. Kaum Veränderungen auch beim Bitcoin, der gestern erneut an der wichtigen Marke von 87 000 Dollar zurückgeschlagen wurde und den Tag knapp unterhalb von 86 000 Dollar beginnt. Ethereum hält sich oberhalb von 2700 Dollar, während der WTI-Ölpreis weiter fällt und bei rund 88.50 Dollar notiert. Gold bleibt knapp unter 4 200 Dollar je Unze.
FAQ
Warum ist der Diesel-Crackspread wichtig?
Der Crackspread beschreibt vereinfacht die Differenz zwischen dem Preis von Rohöl und dem Verkaufspreis von raffiniertem Diesel. Steigt er stark, deutet das auf einen angespannten Kraftstoffmarkt hin. Hohe Dieselpreise können anschließend Transport, Landwirtschaft und Industrie verteuern.
Warum belastet ein starker Dollar Aktien und Bitcoin?
Ein starker Dollar kann Rohstoffe und Finanzierungen außerhalb der USA verteuern und gleichzeitig die Auslandserlöse amerikanischer Unternehmen belasten. Für Risikoanlagen entsteht zudem zusätzlicher Gegenwind, wenn Kapital in attraktivere Dollar-Anlagen fließt.
Warum sind steigende US-Anleiherenditen problematisch?
Steigende Renditen verteuern die Finanzierung für Unternehmen und Verbraucher. Gleichzeitig werden US-Staatsanleihen als Alternative zu Aktien attraktiver, wenn Anleger dort hohe Renditen erzielen können. Besonders hoch bewertete Technologieaktien können dadurch unter Druck geraten.
Warum steigen die Hypothekenzinsen mit den Anleiherenditen?
US-Hypothekenzinsen orientieren sich stark an den langfristigen Renditen am Anleihemarkt. Steigt beispielsweise die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, erhöhen sich häufig auch die Finanzierungskosten für Immobilienkäufer. Genau dieser Zusammenhang ist derzeit zu beobachten.




