Der schlimmste Tag in der Geschichte des Kryptomarkts
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Der schlimmste Tag in der Geschichte des Kryptomarkts

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am 10. Oktober 2025 erlebte der Kryptomarkt die größten Liquidationen seiner Geschichte.

  • Ein fehlerhafter USDe-Preisindex bei Binance könnte Zwangsverkäufe ausgelöst haben.

  • OKX-Chef Star Xu wirft Binance riskante Renditeversprechen vor; Binance widerspricht.

Guten Morgen!

Es ging alles viel zu schnell. Zu schnell für die Orderbücher. Zu schnell für die Handelssysteme. Sogar zu schnell für die meisten Stop-Losses. Und für die Menschen dahinter sowieso. Vor ziemlich genau einem Jahr stürzte der Kryptomarkt mit einer Brutalität und Geschwindigkeit ab, die es zuvor noch nie gegeben hatte. Innerhalb weniger Minuten verloren manche Altcoins fast ihren gesamten Kurswert, und mehr als 20 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen wurden zwangsliquidiert – bis heute der blutigste Tag im Blockchain-Sektor aller Zeiten.

Einer der drastischsten Fälle des 10/10-Crashs: Der Altcoin Cosmos (ATOM) fiel in wenigen Minuten von knapp 4.50 auf 0.01 Dollar.

Am 10. Oktober 2025 kollabierte der Kryptomarkt innerhalb kürzester Zeit. Einer der dramatischsten Fälle: Der Altcoin Cosmos (ATOM), crashte in wenigen Minuten von knapp 4.50 auf 0.01 Dollar.

Immer noch ranken sich Mythen und Gerüchte um diesen verhängnisvollen 10. Oktober. Das Trauma reicht so weit, dass die Nervosität am vergangenen Wochenende, als sich das geschichtsträchtige Datum zum ersten Mal jährte, enorm war. Natürlich gab es keine Wiederholung des Blutbads – doch immer neue Details zu den Hintergründen des katastrophalen Flashcrashs kommen ans Licht. Und diese Details werfen kein gutes Licht auf die größte Kryptobörse der Welt.

Anatomie eines Blutbads: Was wirklich am 10. Oktober 2025 geschah

Wer am 10. Oktober vergangenen Jahres gegen Mitternacht deutscher Zeit aufs eigene Krypto-Portfolio schaute, wird diesen Moment wohl nie vergessen. Innerhalb von Minuten verlor der Kryptomarkt Hunderte Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung, viele Altcoins kollabierten praktisch auf null. Der erste Dominostein fiel wenige Stunden vor der Liquidationskaskade mit Trumps Drohung, China mit zusätzlichen Zöllen von 100 Prozent zu belegen. Anleger flohen aus riskanten Anlagen, Market Maker zogen Kaufangebote zurück und die Liquidität trocknete aus.

Am Anfang stand eine neuerliche Eskalation im Zollstreit zwischen den USA und China. Geringe Liquidität und ein fataler Stablecoin-Fehler auf Binance besiegelten das historische Blutbad.

Am Anfang stand eine neuerliche Eskalation im Zollstreit zwischen den USA und China. Geringe Liquidität, ein fataler Stablecoin-Fehler auf Binance und eine Liquidationskaskade besiegelten das historische Blutbad.

Bitcoin fiel innerhalb weniger Minuten von rund 122 000 auf etwa 104 000 US-Dollar; viele Altcoins stürzten um mehr als 90 Prozent ab. Der höchste Tageswert an Zwangsliquidationen – am Ende waren es zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar – war die Folge. Im Zentrum des Flashcrashs stand Binance. Genauer gesagt: eine Preisverzerrung wichtiger Marktdaten auf der weltgrößten Kryptobörse. Besonders betroffen war der synthetische Stablecoin USDe von Ethena, der auf Binance zwischenzeitlich seine Dollar-Bindung verlor. Und das hatte katastrophale Folgen.

Binance nutzte zur Bewertung von USDe einen Preisindex, der sich stark am eigenen Handelsplatz orientierte. Dieser Preis war wichtig, weil Anleger USDe als Sicherheit hinterlegen konnten, um weitere Positionen zu finanzieren. Das Problem: Im Falle großer Verkäufe konnte USDe auf Binance durch den internen Preisindex stark von anderen Handelsplätzen abweichen. Genau das passierte am 10. Oktober: Auf Binance stürzte USDe Berichten zufolge zeitweise auf rund 0.65 US-Dollar, während der Token andernorts nahe einem Dollar gehandelt wurde.

Durch den USDe-Depeg wurde die Absicherung zahlreicher Hebelpositionen künstlich entwertet, massenhafte Liquidationen waren die Folge. Brisant war der zeitliche Ablauf: Binance hatte erst einen Monat zuvor USDe als Collateral (Absicherung) erlaubt und am 6. Oktober Änderungen an der Preisberechnung angekündigt, diese jedoch erst für den 14. Oktober vorgesehen. Der Crash ereignete sich also, bevor die Anpassungen umgesetzt wurden. Kurz vor dem Flashcrash am 10. Oktober wurden plötzlich USDe im Wert von rund 90 Millionen US-Dollar verkauft, was den internen Kurs massiv drückte.

Verdächtige Shorts: War 10/10 eine große Manipulation?

Schnell machten Gerüchte über einen gezielten Angriff auf den Binance-Preisindex für USDe die Runde, der sich gerade in der Umstellung befand und damit einen Angriffswinkel bot. Verdächtig waren vor allem kurzfristig eröffnete, große Short-Positionen. Binance räumte später ein, dass der eigene Handelspreis bei Liquidationen zu stark berücksichtigt wurde und Schutzmechanismen gegen solche Ausreißer nicht ausreichten. Stichhaltige Indizien für eine koordinierte Attacke fanden sich bis heute nicht. Damit ist der 10.-Oktober-Krimi rund um Binance aber noch nicht zu Ende.

Der fatale USDe-Kreislauf: Binance bewarb den Stablecoin, sorgte aber nicht für genügend Absicherung. Der Depeg sorgte für ein Liquidations-Chaos.

Der fatale USDe-Loop: Binance bewarb den Stablecoin mit hohen Renditen, Nutzer erhöhten das Risiko durch mehrfache Hebelwirkung. Der USDe-Depeg drückte viele betroffene Positionen ins Minus.

Anfang 2026 erhob Star Xu, Chef der konkurrierenden Kryptobörse OKX, weitere Vorwürfe gegen Binance, die er vor wenigen Tagen im Podcast mit dem niederländischen Krypto-Unternehmer Michael van de Poppe bekräftigte. Demnach habe Binance seine Nutzer vor dem Oktober-Flashcrash mit hohen Renditen auf USDe angelockt und zugleich ermöglicht, den Token als Sicherheit für weitere Kredite einzusetzen. Dadurch konnten Nutzer USDe hinterlegen, andere Stablecoins leihen und damit erneut USDe kaufen.

Wer diesen Vorgang mehrfach wiederholte, baute eine sogenannte Hebelschleife auf: Solange die Kurse stabil blieben, ließ sich damit die mögliche Rendite steigern. Bei einem starken Preisrückgang konnte die Konstruktion jedoch schnell ins Wanken geraten. Zeitweise hatte Binance eine Jahresrendite von rund zwölf Prozent auf USDe beworben. Binance widerspricht der Darstellung, dass die USDe-Probleme den Crash ausgelöst hätten. Nach Angaben der Börse waren rund 75 Prozent der Liquidationen bereits erfolgt, bevor USDe und weitere Token auf Binance auffällige Preisabweichungen zeigten.

Wie viel Schuld trifft Binance an 10/10?

Binance selbst hält bis heute an der Darstellung fest, dass Donald Trumps Zollschock und ein plötzlicher Rückzug von Market Makern (wodurch wichtige Liquidität verschwand, die den Absturz hätte abfedern können) die Hauptursache für den Flashcrash gewesen seien. Zugleich räumte die Börse technische Probleme ein: Neben der fehleranfälligen Preisberechnung war zeitweise auch ein System gestört, über das Nutzer Guthaben zwischen verschiedenen Handelsbereichen verschieben konnten.

Kritiker wie der OKX-Chef Star Xu werfen Binance vor, zu wenig über die Risiken der USDe-Kampagne aufzuklären. Binance hält an der Darstellung fest, dass beim USDe-Depeg schon 75 Prozent der Liquidationen geschehen waren.

Kritiker wie der OKX-Chef Star Xu werfen Binance vor, zu wenig über die Risiken der USDe-Kampagne aufzuklären. Laut Binance waren beim USDe-Depeg schon 75 Prozent der Liquidationen geschehen waren.

Binance erklärte, betroffene Nutzer entschädigt und die Preisberechnung angepasst zu haben. Bis zum 22. Oktober 2025 bezifferte die Börse die Entschädigungen im Zusammenhang mit den beiden technischen Vorfällen auf mehr als 328 Millionen US-Dollar. Zusätzlich kündigte sie Hilfsprogramme für weitere Betroffene und institutionelle Marktteilnehmer an. Ob die USDe-Kampagne und mögliche gezielte Verkäufe die Liquidationswelle wesentlich verstärkten, bleibt umstritten.

Auf den Flashcrash folgte ein hartes Krypto-Jahr: Bitcoin notiert am heutigen Montagmorgen bei rund 83 600 Dollar – immer noch deutlich unter den Niveaus vor dem 10.-Oktober-Crash. Ethereum eröffnet die Woche knapp unter 2600 Dollar, die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung hält bei 2.81 Billionen Dollar. Für Druck auf Risiko-Assets sorgen weiterhin ein starker Dollar-Index DXY (102.29 Punkte) und hohe US-Anleihezinsen (10-jährige Staatsanleihen bei 5.24 Prozent). Solide starten der S&P 500 (7811 Punkte) und der Nasdaq-100 (30 883 Punkte) in die Woche, während Gold 4200 Dollar je Unze) schwächelt.

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FAQ: 10/10-Crash und Binance

Was löste den Krypto-Crash am 10. Oktober 2025 aus?

Auslöser war Trumps Ankündigung zusätzlicher Zölle von 100 Prozent auf chinesische Waren. Der Schock traf auf einen stark gehebelten Markt mit geringer Liquidität und löste eine massive Liquidationswelle aus.

Welche Rolle spielte Binance beim Krypto-Crash?

Auf Binance wich der USDe-Kurs zeitweise stark von einem Dollar ab. Da USDe als Sicherheit für Handelspositionen genutzt werden konnte, führte die niedrigere Bewertung bei manchen Anlegern zu zusätzlichen Liquidationen. Binance räumte Schwächen bei der Preisberechnung ein, bestreitet aber, den gesamten Crash verursacht zu haben.

Wurde der Krypto-Crash gezielt ausgelöst?

Es gibt Spekulationen, dass Händler die Preisabweichung von USDe gezielt ausgenutzt haben könnten. Ein koordinierter Angriff ist öffentlich jedoch nicht abschließend belegt.

Warum steht Binance wegen USDe in der Kritik?

OKX-Chef Star Xu kritisiert, dass Binance hohe Renditen auf USDe beworben und den Token zugleich als Sicherheit akzeptiert habe. Dadurch seien riskante Hebelschleifen möglich gewesen. Binance widerspricht der Darstellung, dass USDe die Hauptursache des Crashs war.

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