Das Wichtigste in Kürze
Oracle notiert mehr als 50 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch
Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent, Auftragsbestand auf Rekordniveau
Unsere Analyse liefert ein Einstiegssignal für unser Investmentdepot
Im September 2025 war Larry Ellison für einen kurzen Moment der reichste Mensch der Welt. Der Oracle-Gründer hatte einen gewaltigen Auftragsbestand aus KI-Verträgen gemeldet und die Aktie seines Daten-Orakels schoss in die Höhe. Ein gutes Jahr später ist von der Euphorie wenig übrig: Seit dem 52-Wochen-Hoch hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Dabei wächst das Geschäft so schnell wie nie. Genau in dieser Phase hat Oracle als Teil unseres US-Titans-Analysepakets ein Einstiegssignal für unser Investmentdepot geliefert.
Vom Datenverwalter zum KI-Vermieter
Lange galt Oracle als verlässlicher, etwas angestaubter Softwarekonzern. Seit fast 50 Jahren laufen auf seinen Datenbanken die Systeme von Banken, Airlines, Versicherungen und Behörden. Wer einen Flug bucht und bezahlt, nutzt im Hintergrund sehr wahrscheinlich Oracle. Daneben verkauft das Unternehmen Software, mit der Firmen ihre Finanzen, ihr Personal und ihre Lieferketten steuern. Der eigentliche Wachstumsmotor ist heute aber ein anderer: die Cloud-Infrastruktur, kurz OCI. Oracle baut riesige Rechenzentren und vermietet deren Rechenleistung an KI-Unternehmen. Größter Kunde ist OpenAI, mit dem Oracle einen Vertrag über 300 Milliarden US-Dollar geschlossen hat.
Wie stark dieses Geschäft wächst, zeigten die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das bei Oracle bereits im Juni 2026 begonnen hat. Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf 19.3 Milliarden US-Dollar, die Cloud-Infrastruktur legte sogar um 121 Prozent auf 7.4 Milliarden US-Dollar zu. Der Auftragsbestand, also bereits vertraglich gesicherte künftige Umsätze, kletterte auf den Rekordwert von 664 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als das Siebenfache des Umsatzes, den Oracle für das gesamte laufende Geschäftsjahr erwartet.

Oracles Geschäftsfelder im Überblick.
Warum die Anleger trotzdem zweifeln
Das Problem liegt im Preis dieses Wachstums. Allein im ersten Quartal investierte Oracle 28 Milliarden US-Dollar, vor allem in neue Rechenzentren. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet das Management mit Investitionen von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar und damit mit mehr als dem gesamten erwarteten Jahresumsatz. Der freie Cashflow liegt entsprechend tief im Minus. Um den Ausbau zu finanzieren, kündigte Oracle im Juni an, rund 40 Milliarden US-Dollar über neue Anleihen und die Ausgabe neuer Aktien einzusammeln. Die Ratingagentur S&P senkte daraufhin Oracles Bonitätsnote auf die schwächste Stufe, die noch als solide Anlage gilt.
Die Börse reagierte heftig. Im Juni verlor die Aktie über 40 Prozent und erlebte damit ihren schlechtesten Monat seit 1990. Ende Juli markierte sie ein Tief bei 114.50 US-Dollar. Auch die starken Zahlen im September konnten das Misstrauen nicht ausräumen, die Aktie gab danach um 7 Prozent nach. Hinzu kommt ein Klumpenrisiko: Ein großer Teil des Auftragsbestands hängt an wenigen KI-Kunden, allen voran OpenAI.
Gleichzeitig ist die Aktie deutlich günstiger bewertet als im Schnitt der vergangenen Jahre. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 22 und damit klar unter dem Fünfjahresmittel von gut 32.
Unser Einstiegssignal bei Oracle
Charttechnisch startete Oracle nach dem Absturz zunächst eine Erholung, die im September am Widerstand bei 170.71 US-Dollar endete. Der anschließende Rückgang hat die Aktie in einen Bereich geführt, der für unser Investmentdepot ein Einstiegssignal geliefert hat. Seitdem hat sich der Kurs bereits wieder etwas nach oben gearbeitet.
Primär gehen wir allerdings davon aus, dass die übergeordnete Korrektur noch nicht abgeschlossen ist. In diesem Fall dürfte die Aktie noch einmal unter die Unterstützung bei 114.75 US-Dollar fallen, bevor sich das finale Tief bildet. Für langfristig orientierte Anleger würde sich dort eine weitere Gelegenheit zum Positionsaufbau ergeben. Aus diesem Tief heraus rechnen wir dann mit weitreichenden Anstiegen über die Widerstände bei 250.25 und 345.72 US-Dollar.
Wer die konkreten Einstiegsbereiche und Handelsparameter zu diesem Setup erhalten möchte, findet sie in unserem US-Titans-Analysepaket.

Oracle im Tageschart: Nach dem finalen Tief rechnen wir mit Anstiegen über das Allzeithoch hinaus.
Fazit
Larry Ellison hat mit Oracle schon einige Krisen überstanden, die aktuelle KI-Wette ist jedoch die größte in der Geschichte des Konzerns. Das Wachstum in der Cloud ist beeindruckend und der Auftragsbestand sichert Umsätze für Jahre. Gleichzeitig steigen Schulden und Investitionen in Dimensionen, die auch ein Weltkonzern nicht unbegrenzt stemmen kann. Ob sich die Milliarden auszahlen, ist noch nicht entschieden. Für unser Investmentdepot liefert die Kombination aus starkem operativem Wachstum, deutlich gesunkener Bewertung und charttechnischem Rücksetzer dennoch ein Einstiegssignal, bei dem wir uns weitere Gelegenheiten zum Positionsaufbau offenhalten.
Oracle ist zusammen mit weiteren US-Schwergewichten im US-Titans-Analysepaket enthalten.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar, sondern eine charttechnische Einschätzung zu Informationszwecken. Börsengeschäfte sind risikobehaftet. Treffen Sie Entscheidungen stets eigenverantwortlich.



