Achtung! Börsen-Achterbahn in 3, 2, 1…
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Achtung! Börsen-Achterbahn in 3, 2, 1…

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fed entscheidet um 19:00 Uhr über den US-Leitzins.
  • Chinas KI-Aktien verlieren massiv, während Südkoreas Chipindustrie Rekordgewinne erzielt.
  • EZB und BoJ müssen zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturrisiken abwägen.

Guten Morgen!

Die nächsten Tage könnten an der Börse zur Achterbahnfahrt der Gefühle werden. Heute Abend um 19:00 Uhr deutscher Zeit verkündet die US-Notenbank Fed ihren nächsten Zinsentscheid – nur sechs Tage vor den amerikanischen Zwischenwahlen. Die Inflation liegt deutlich über dem Zielwert und eine weitere Zinserhöhung im Dezember wird erwartet. EZB und BoJ stehen schon in den Startlöchern für den nächsten Knalleffekt. Geknallt hat es bereits im KI-Sektor: Während Chinas Tech-Sektor Milliarden verliert, zeigen Südkoreas Chipriesen nach harten Abverkäufen neue Stärke.

Fed blickt auf Midterms: Pause vor der nächsten Zinserhöhung?

Die Ausgangslage ist kompliziert. Im September erhöhte die Fed den Leitzins erstmals seit drei Jahren auf eine Spanne von 3.75 bis 4.00 Prozent. Seitdem hat sich der Inflationsdruck noch nicht wie erhofft abgeschwächt: Die US-Verbraucherpreise lagen im September 3.7 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach 3.4 Prozent im August. Gleichzeitig blieb der Arbeitsmarkt vergleichsweise stabil. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 4.2 Prozent. Damit fehlt der Notenbank ein eindeutiges Argument, um von ihrem restriktiven Kurs abzurücken.

Eine heiße Notenbank-Woche geht in die entscheidende Phase: Heute die Fed, morgen die EZB, am Freitag die BoJ. Am 3. November steigen die US-Zwischenwahlen.

Eine heiße Notenbank-Woche geht in die entscheidende Phase: Heute die Fed, morgen die EZB, am Freitag die BoJ. Am 3. November steigen die US-Zwischenwahlen.

Trotzdem rechnen die Märkte heute überwiegend mit einer Zinspause. Fed-Chef Kevin Warsh dürfte bei seiner Pressekonferenz um 19:30 Uhr vor allem daran gemessen werden, ob er eine weitere Erhöhung im Dezember vorbereitet. Die Ausgangslage bleibt heikel: Hohe Energiepreise und die Auswirkungen der US-Zölle halten die Inflation oben, während höhere Zinsen Kredite verteuern und die Wirtschaft bremsen.

Fed-Chef Warsh ließ bei einem Gipfeltreffen von IMF und Weltbank in Bangkok Mitte des Monats den weiteren Zinskurs offen: „Ich greife den Sitzungen nicht vor“, sagte er im Gespräch mit IWF-Chefin Kristalina Georgieva. Zugleich betonte er die langfristigen Chancen künstlicher Intelligenz, auch wenn der Weg dorthin „sehr holprig“ werde. Trotz geopolitischer Spannungen und hoher Ölpreise zeigte er sich optimistisch: Die USA würden aus der aktuellen Phase „mit einer robusteren Wirtschaft“ hervorgehen und beim globalen Wachstum eine führende Rolle behalten.

Der aktuelle Zeitpunkt macht die Zinsentscheidung zusätzlich brisant. Am 3. November wählen die USA einen neuen Kongress. Für Präsident Donald Trump steht dabei auch seine Wirtschaftspolitik auf dem Prüfstand. Hohe Lebenshaltungskosten und teure Energie belasten viele Haushalte. Trump hat wiederholt niedrigere Zinsen gefordert und die Unabhängigkeit der Fed unter Druck gesetzt. Warsh muss deshalb nicht nur die Wirtschaftsdaten im Blick behalten, sondern auch deutlich machen, dass die Geldpolitik unabhängig von kurzfristigen politischen Interessen entschieden wird. Die Fed selbst betont, dass sie sich bei ihren Beschlüssen an Inflation und Beschäftigung orientiert.

Chinas KI-Angst, Südkoreas schwacher Trost

Während die Fed um den richtigen Kurs ringt, zeigen sich die Schattenseiten des globalen KI-Wettlaufs besonders deutlich in China. Der Technologieindex STAR 50 ist seit Juni um rund 40 Prozent gefallen. Andere wichtige chinesische Aktienindizes verloren im selben Zeitraum etwa 20 Prozent. Insgesamt sollen seit Mai rund 2.4 Billionen US-Dollar an Börsenwert vernichtet worden sein. Besonders brisant ist die hohe Bedeutung des Sektors: KI-Aktien machen nach Schätzungen von Goldman Sachs mehr als 40 Prozent des Börsenwerts in China und Hongkong aus. Der Ausverkauf betrifft deshalb längst nicht mehr nur einzelne Technologiewerte.

Harte Zeiten für Asiens KI-Sektor. Der chinesische Tech-Index STAR 50 und der südkoreanische KOSPI (dominiert von den Chip-Giganten Samsung und SK Hynix) stürzten seit Sommer ab. In Südkorea keimt wieder leichte Hoffnung.

Harte Zeiten für Asiens KI-Sektor. Der chinesische Tech-Index STAR 50 und der südkoreanische KOSPI (dominiert von den Chip-Giganten Samsung und SK Hynix) stürzten seit Sommer ab. In Südkorea keimt wieder leichte Hoffnung.

Viele chinesische Technologieunternehmen kämpfen damit, ihre hohen Investitionen in Gewinne umzuwandeln. Die Binnennachfrage bleibt schwach, der Wettbewerb drückt auf die Margen und westliche Exportbeschränkungen erschweren den Zugang zu wichtigen Märkten und Technologien. Zwar investiert Peking Milliarden in heimische KI-Unternehmen und Robotik. Doch staatliche Förderung garantiert keine zahlenden Kunden. Selbst humanoide Roboter, die als Zukunftstechnologie gelten, werden bislang eher von Behörden und Forschungseinrichtungen nachgefragt als von privaten Haushalten.

In Südkorea keimt derweil neue Hoffnung: Gestern stieg der Leitindex KOSPI um mehr als sechs Prozent. Zuvor gab es Rekordzahlen des Speicherchip-Herstellers SK Hynix, dessen Aktie zeitweise um rund neun Prozent stieg. Der operative Gewinn des Unternehmens schnellte im dritten Quartal im Jahresvergleich um mehr als das Siebenfache auf 83.3 Billionen Won (rund 62.8 Milliarden US-Dollar) nach oben. Der Umsatz stieg um 328 Prozent auf 104.6 Billionen Won (etwa 78.9 Milliarden US-Dollar). Treiber ist die starke Nachfrage nach leistungsfähigen Speicherchips für KI-Rechenzentren. Die leichte KOSPI-Erholung ist bisher nur ein schwacher Trost: Von über 9000 Punkten Ende Juni war der südkoreanische Leitindex zuletzt auf unter 5500 Punkte abgestürzt (-40 Prozent).

EZB und BoJ müssen ebenfalls Farbe bekennen

Auch in Europa und Japan stehen wichtige geldpolitische Entscheidungen an. Die Europäische Zentralbank dürfte am Donnerstag ihren Einlagensatz bei 2.50 Prozent belassen. Nach den Zinserhöhungen im Juni und September bleibt die Inflation jedoch ein Problem: Der Iran-Krieg hat die Energiepreise nach oben getrieben, während die Renditen französischer Staatsanleihen wegen der politischen und fiskalischen Unsicherheit stark gestiegen sind. Viele Ökonomen rechnen dennoch im Dezember mit einer weiteren Zinserhöhung.

In Europa und Japan könnten beide Zentralbanken erstmal pausieren. Für Dezember erwartet der Markt dann weitere Erhöhungen.

In Europa und Japan könnten beide Zentralbanken erstmal pausieren. Für Dezember erwartet der Markt dann weitere Erhöhungen.

Am Freitag folgt die Bank of Japan. Nachdem sie ihren Leitzins im September auf 1.25 Prozent angehoben hat, wird für diese Sitzung überwiegend eine Pause erwartet. Die Notenbank könnte allerdings ihre Inflationsprognose für das kommende Geschäftsjahr anheben. Steigende Ölpreise verteuern Importe, insbesondere wenn der Yen schwach bleibt. Damit wächst der Druck, die Zinsen weiter anzuheben – möglicherweise ebenfalls schon im Dezember.

Der Stand am Mittwochvormittag, vor dem Fed-Beschluss: Bitcoin notiert bei knapp über 81 300 US-Dollar, Ethereum bei rund 2360 US-Dollar. An der Wall Street schloss der S&P 500 gestern bei 7722 Punkten; der Nasdaq-100 beendete den Handel bei 29 651 Punkten. US-Rohöl der Sorte WTI lag am Morgen nach einem erneuten Anstieg bei rund 101.40 US-Dollar je Barrel, Gold bei ungefähr 4040 US-Dollar je Feinunze. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag zuletzt knapp unter 5.0 Prozent.

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FAQs

Wann verkündet die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung?

Die Fed gibt ihre Entscheidung am Mittwoch, 28. Oktober, um 19:00 Uhr deutscher Zeit bekannt. Die Pressekonferenz mit Fed-Chef Kevin Warsh ist für 19:30 Uhr angesetzt. Die Märkte rechnen überwiegend damit, dass der Leitzins in der Spanne von 3.75 bis 4.00 Prozent bleibt.

Warum ist der Fed-Entscheid vor den US-Zwischenwahlen besonders wichtig?

Die Zwischenwahlen finden am 3. November statt. Die hohe Inflation und die Lebenshaltungskosten sind wichtige politische Themen. Gleichzeitig steht die Unabhängigkeit der Fed unter Druck. Anleger achten deshalb besonders darauf, ob Warsh eine weitere Zinserhöhung im Dezember signalisiert und wie er den Inflationsausblick einschätzt.

Warum fallen chinesische Technologieaktien trotz hoher KI-Investitionen?

Viele chinesische Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Investitionen in künstliche Intelligenz in nachhaltige Gewinne umzuwandeln. Schwache Konsumnachfrage, intensiver Wettbewerb und US-Beschränkungen belasten die Branche. Der Rückgang des STAR 50 um rund 40 Prozent seit Juni verdeutlicht, dass staatliche Förderung allein keine profitable Nachfrage garantiert.

Warum steigen südkoreanische Aktien trotz der Sorgen um eine mögliche KI-Blase?

Der südkoreanische Markt profitierte am Mittwoch von Rekordzahlen des Chip-Herstellers SK Hynix. Der operative Gewinn des Unternehmens stieg im dritten Quartal im Jahresvergleich auf 83.3 Billionen Won. Die Zahlen zeigen, dass die hohe Nachfrage nach Speicherchips für KI-Rechenzentren bereits erhebliche Gewinne hervorbringen kann. Offen bleibt jedoch, ob die Investitionen der Branche langfristig rentabel bleiben.

Was ist bei den Zinsentscheidungen von EZB und Bank of Japan zu erwarten?

Die EZB dürfte ihren Einlagensatz am Donnerstag bei 2.50 Prozent belassen. Für die Bank of Japan wird am Freitag ebenfalls eine Pause erwartet, nachdem sie den Leitzins im September auf 1.25 Prozent angehoben hatte. Beide Notenbanken könnten jedoch Hinweise auf weitere Zinserhöhungen geben, da hohe Energiepreise den Inflationsdruck verstärken.

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