Google Maps
#Global Markets

„Wenn möglich, bitte wenden!“ Googles KI-Sackgasse führt zum Einstiegssignal

Author

Robert Fabian

Das Wichtigste in Kürze

  • Alphabet verliert nach den Quartalszahlen 12.6 Prozent an einem Tag

  • Hohe KI-Investitionen und ein negativer Cashflow belasten, Cloud und Gemini wachsen aber rasant

  • Charttechnisch erwarten wir hier die Wende, am 29. Oktober haben wir ein Einstiegssignal erhalten

Wenn Sie, lieber Leser, gelernt haben, einen Atlas zu lesen, wäre Ihnen sicher schon früher aufgefallen, dass Ihr Navigationssystem Sie in die falsche Richtung lenkt. Beim Tech-Giganten Google scheint diese Fähigkeit gänzlich abhandengekommen zu sein. Bei den Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz und dem damit verbundenen Wachstum der vergangenen Monate wollte offenbar keiner mal aus dem Fenster blicken. Sonst hätte man wohl erkannt, dass der Weg zumindest vorerst in eine Sackgasse führt.

Ende Oktober legte Alphabet die Zahlen für das dritte Quartal vor. Die Börse reagierte gnadenlos: minus 12.6 Prozent an einem einzigen Tag, der heftigste Kurssturz seit dem Börsengang 2004. Knapp 500 Milliarden Dollar Börsenwert verschwanden schneller, als Google Maps eine neue Route berechnen konnte. Für die Anleger klang das wie eine Ansage aus dem Navi: Wenn möglich, bitte wenden!

Steckt Google also wirklich in der KI-Sackgasse? Oder reicht es, die Route neu zu berechnen? Unser Atlas ist der Chart. Genau am Tag des Kurssturzes haben wir bei Alphabet ein Einstiegssignal erhalten. Dass es noch in diesem Jahr dazu kommt, konnte wohl kaum jemand erahnen.


Umsatzmix von Alphabet im dritten Quartal 2026: Die Suche bleibt der größte Posten, Google Cloud ist die Nummer zwei.

Die falsche Abzweigung führt zu SpaceX

Kurioserweise brachte ausgerechnet ein Unternehmen Google vom Kurs, das sich weder an Landkarten noch Grenzen hält und für das selbst der Himmel kein Limit ist: SpaceX. Der größte Belastungsfaktor im Quartal war damit kein operatives Problem, sondern eine Beteiligung. Alphabet hält Anteile an Elon Musks Raumfahrtunternehmen und muss deren Wertveränderungen in der Bilanz erfassen. Im zweiten Quartal hatten die Beteiligungen an SpaceX und Anthropic noch einen Ertrag von rund 99 Milliarden Dollar beigesteuert. Im dritten Quartal kehrte sich der Effekt um: Ein nicht realisierter Verlust von 8.2 Milliarden Dollar, der vor allem auf SpaceX zurückgeht, drückte das Ergebnis je Aktie auf 2.12 Dollar. Analysten hatten mit 3.02 Dollar gerechnet.

Der Sondereffekt allein erklärt den Kurssturz jedoch nicht. Bereinigt um die SpaceX-Belastung lag das Ergebnis je Aktie bei 2.67 Dollar und damit ebenfalls deutlich unter den Erwartungen. Auch beim Umsatz verfehlte Alphabet die Prognosen knapp. Hinzu kommt eine Schwäche im Kerngeschäft: Die Erlöse aus der Google-Suche wuchsen nur noch um 12 Prozent und damit spürbar langsamer als im Vorquartal. Das nährt die Sorge, dass KI-Assistenten das klassische Suchgeschäft langfristig unter Druck setzen könnten. Damit droht Google weiterhin, sein eigenes Geschäftsmodell zu kannibalisieren.

Teure Fahrt in die KI-Zukunft

Am meisten beunruhigt die Anleger der Blick auf die Ausgabenseite. Allein im dritten Quartal investierte Alphabet über 51 Milliarden Dollar in Rechenzentren und KI-Infrastruktur, der freie Cashflow rutschte auf minus 9.1 Milliarden Dollar. Ein Teil davon geht auf die einmalige Zahlung einer EU-Strafe zurück, doch die Richtung ist klar: Für 2026 plant das Management Investitionen von 195 bis 205 Milliarden Dollar, für 2027 soll es deutlich mehr werden. Kurzfristig rechnet Alphabet zudem mit Druck auf die Margen in der Cloud, weil zusätzliche Rechenkapazität bei Drittanbietern eingekauft wird.

Wer über den Tellerrand hinaus blickt, entdeckt allerdings auch ein Geschäft, das so schnell wächst wie selten zuvor. Google Cloud steigerte den Umsatz um 103 Prozent auf 30.7 Milliarden Dollar. Die Gemini-App kommt inzwischen auf eine Milliarde Nutzer. Laut Konzernchef Sundar Pichai wachsen die Suchanfragen so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Insgesamt legte der Umsatz um 25 Prozent auf 127.6 Milliarden Dollar zu, das 13. Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum.

Die Analysten haben reagiert, aber nicht kapituliert. Zahlreiche Häuser haben ihre Kursziele gesenkt, die Mehrheit hält jedoch an ihren positiven Einschätzungen fest. Am Markt geht es weniger um die Frage, ob Alphabet wächst. Es geht darum, wann sich die gewaltigen Investitionen im Cashflow bezahlt machen.

Unsere Analyse: Wendepunkt im Langfrist-Einstiegsbereich

Ein Blick in den Chart-Atlas sortiert das Bild und führt aus der Sackgasse. Nach dem dynamischen Anstieg seit Ende 2022 bis zum Rekordhoch im Mai befindet sich die Aktie in einer größeren Korrektur. Der Kurssturz nach den Quartalszahlen hat diese Korrektur nun auf ein deutlich tieferes Niveau geführt. Am 29. Oktober haben wir dort ein Einstiegssignal für unser Investmentdepot erhalten.

In unserem Primärszenario ist dieses Niveau genau der Wendehammer, an dem die Aktie dreht. Die Korrektur sollte hier auslaufen, danach erwarten wir eine neue Aufwärtsbewegung über das bisherige Rekordhoch hinaus. Ein nachhaltiger Ausbruch über den Widerstand bei 408.61 Dollar würde dieses Szenario bestätigen.

Fällt die Aktie dagegen deutlich unter die Unterstützung bei 256.00 Dollar, wird der Umweg länger. Dann rechnen wir mit einer tieferen Korrektur, bevor die übergeordnete Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen wird (Wahrscheinlichkeit: 36 Prozent). Die nächste wichtige Unterstützung liegt in diesem Fall deutlich tiefer bei 150.97 Dollar.


Google Wochenchart
Alphabet-Wochenchart: Die Korrektur läuft seit dem Rekordhoch im Mai

Eine Sackgasse ist nur dann ein Problem, wenn man nicht wenden kann. Platz für die Kehrtwende hat Alphabet genug: eine Cloud, die ihren Umsatz verdoppelt, eine KI-App mit einer Milliarde Nutzern und ein Suchgeschäft, das weiter wächst. Charttechnisch ist die Aktie dort angekommen, wo wir die Wende erwarten. Alphabet ist Teil unseres TECH33 Aktien-Pakets. Wie es mit der Aktie weitergeht, erfahren unsere Abonnenten in wöchentlichen Updates.

Dieser Beitrag stellt keine Handelsempfehlung dar.

LESEEMPFEHLUNG: Teladoc-Aktie: Startet nach dem Kursdesaster jetzt die große Wende?

Author

Robert Fabian

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.